Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

Marktpreise  im  Durchschnitt  höher  werden  oder  sinken  \  diejenigen  der  letztem
dagegen  treten  insofern  zu  Tage,  als  die  Marktpreise  gewisser  Producte  höher,
diejenigen  anderer  hingegen  niederer  werden,  je  nachdem  die  Productionskosten
oder  die  Nachfrage  steigen  bezw.  fallen.  Wenn  wir  die  Bedeutung  des  Geldes
besprechen,  werden  wir  uns  über  diesen  Gegenstand  noch  eingehender  zu  verbreiten ­
  haben.
Die  Existenz  von  Märkten  und  von  Marktpreisen  und  der  freie  Mitbewerb ­
  haben  nanthafte  Vortheile  im  Gefolge.  Das  geschilderte  Vorgehen  der
Käufer  und  der  Verkäufer  übt  einen  starken  Einfluß  in  der  Richtung  aus,
daß  die  verschiedenen  Güter  von  denjenigen  produeirt  und  geliefert  werden,
welche  dieselben  mit  den  niedrigsten  Kosten  Herstellen  und  zu  den  billigsten
Preisen  verkaufen,  und  daß  die  Konsumenten,  für  welche  die  betreffenden
Güter  den  größten  Werth  haben,  sich  dieselben  auch  verschaffen  können.
Die  richtige  Schätzung  der  Functionen  des  Marktes  ist  von  großer  Bedeutung, ­
  und  man  muß  sich  sowohl  von  einseitiger  Feindschaft  gegen  die  freie
Concurren;  wie  von  bedingungsloser  Bewunderung  derselben  frei  halten.  Durch
das  Functioniren  des  Marktes  und  die  sehr  beträchtlichen  Gewinne,  welche  sich
kluge  Unternehmer  infolge  desselben  zu  verschaffen  wissen,  wird  den  verständigen
und  umsichtigen  Producenten  ein  angemessener  Vortheil  gesichert  2,  während
die  Unfähigen  dadurch  benachtheiligt  werden.  Der  Bestand  von  Märkten  hat
also  in  der  Regel  die  Folge,  daß  die  nationale  Gütererzeugung  auf  die  vortheilhaftesten
  Bahnen  gelenkt  wird.
1  Sie  müssen  wenigstens  verhältnitzmäßig  steigen  oder  sinken.  Absolut  können
gewisse  Preise  auch  beim  Sinken  des  Geldwerthes  herabgehen,  z.  B.  wenn  irgendwo
billig  erzeugte  überseeische  Producte  infolge  neuer  Verbindungen  zwischen  gewissen
Ländern  plötzlich  auf  den  Markt  geworfen  werden.  Auch  Fälle  entgegengesetzter  Natur
können  vorkommen.  Wenn  die  Ernte  gewisser  seltenen  Luxusartikel,  z.  B.  die  des
Portweins,  ungünstig  ausfällt,  so  kann  auch  in  Zeiten  großer  Geldknappheit  eine  ab'
solute  Preissteigerung  derselben  recht  wohl  eintreten.  Dieselbe  würde  freilich  noch
augenscheinlicher  sein,  wenn  das  Geld  im  Ueberfluß  vorhanden  wäre.
2  Man  bedenke  auch,  in  wie  hohem  Grade  besonders  ein  ausgedehnter  Geschäftsverkehr
  mit  dem  Auslande  eingehende  Kenntniß  der  Sitten  und  Verhältnisse  desselben
bedingt.  Ein  erfolgreicher  Handel  in  die  Ferne  setzt  eine  beträchtliche  Bildung  voraus.
Je  mehr  aber  die  Völker,  wenigstens  die  gebildeten  und  hoch  civilisirten,  einander  kennen
lernen,  desto  mehr  werden  sich  die  nationalen  Vorurtheile  abschleifen.  Indem  der
Bestand  internationaler  Märkte  eine  internationale  Bildung  als  nützlich  erkennen  läßt
und  daher  zur  Erwerbung  einer  solchen  anspornt,  ist  er  also  auch  ein  nicht  zu  unter'
schätzendes  Förderungsmittel  humaner  Gesinnung  und  allgemeiner  Friedenstendenzenfalls
  nicht  eine  antisociale,  übertriebene  Freihandelspolitik,  welche  weite  Schichten  des
Volkes,  achtungswerthe  Producentenkreise  und  ihre  Arbeiterschaft  der  ausländische
Eoucurrenz  wehrlos  preisgibt,  die  guten  Folgen  eines  ausgedehnten  Verkehrs  zwifche
den  Völkern  wieder  vereitelt.
            
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