Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

Sechstes  Kapitel.
Ter  internationale  Handelsverkehr.

Die  Erde  ist  in  verschiedene  Staatsgebiete  von  ungleichem  Umfange  getheilt, ­
  deren  Bewohner  je  eine  Nation  bilden  und  den  Wunsch  hegen  oder
wenigstens  hegen  sollten,  daß  ihr  Land  reich,  stark  bevölkert  und  mächtig  stl
und  wohlgeordnete  Verhältnisse  aufweise.  Ein  wirksames  Mittel  zur  Verwirklichung ­
  dieses  Wunsches  ist  in  der  Entwicklung  der  von  Staat  zu  Staat  bestehenden ­
  Handelsbeziehungen  zu  sehen.  Der  Güteraustausch  zwischen  den
Bewohnern  verschiedener  Staatsgebiete  ist  von  nicht  geringerer,  ja  unter  Umständen ­
  sogar  von  noch  größerer  Bedeutung  als  der  Binnenhandel.
Zwischen  dem  internationalen  und  dem  inländischen  Handel  besteht  nun
ein  an  Konsequenzen  reicher  Unterschied.  Was  den  letzten:  betrifft,  so  steu
der  durch  denselben  erzielte  Reingewinn,  wie  er  sich  auch  immer  unter  die
verschiedenen  Käufer  und  Verkäufer  vertheilt,  einen  Gewinn  für  die  Nailon
als  Ganzes  dar.  Dagegen  kann  der  im  internationalen  Handel  gemachte  Reingewinn ­
  zum  Theil  Ausländern  zufallen,  was  auch  in  der  Regel  der  Fall  M
wird;  ja  wenn  wir  die  indirecten  Folgen,  die  er  mit  sich  bringt,  in  Betrach
ziehen,  kann  er  —  wir  werden  uns  davon  überzeugen  —  der  Gesamtheit  d«.
Nation  sogar  zum  Schaden  gereichen.  So  kann  der  Handelsverkehr  mit  dem
Auslande  einerseits  einen  viel  größern  Gewinn  für  die  Nation  zur  Folge  hab^
als  der  Binnenhandel,  andererseits  aber  derselben  auch  keinen  Gewinn,  wen
nicht  gar  Schaden  bringen.  Auch  muß  man  im  Auge  behalten,  daß  die  m tcl '
nationalen  Handelsbeziehungen  mit  den  politischen  Verhältnissen  in  Zusamwel  ^
hang  stehen,  und  daß  sich  die  Völker  infolge  dieser  Handelsbeziehungen  9 e 9 cl J
fettig  kennen  lernen;  wie  es  denn  bis  zu  einem  gewissen  Grade  auch
natürlich  ist,  daß  im  Gefolge  der  ausländischen  Güter  auch  ausländische  |
schmacksrichtungen  und  Sitten,  namentlich  in  den  culturell  minder  hoch  cn /
wickelten  Ländern  ihren  Einzug  halten.  So  ist  es  denn  unvermeidlich,  bsl “'
namentlich  da,  wo  derartige  Handelsbeziehungen  einen  großen  Umfang  ^
nehmen,  das  eine  Land,  sei  es  nun  zu  seinem  Vortheil  oder  zu  seinem  Rşş
theil,  in  eine  enge  Interessengemeinschaft  mit  dem  andern  tritt  und  nicht  we)

sich  selbst  genügt.  „
Welche  Vortheile  zieht  nun  ein  Land  durch  den  Handelsverkehr  mit ü
Auslande?  1.  Zunächst  werden  viele  nützliche  Dinge  eingeführt,  welche  st«
Bewohner  anderweitig  überhaupt  nicht  oder  nur  in  geringer  Menge  ha
verschaffen  können.  Es  werden  auf  diese  Weise  z.  B.  dem  deutschen
tum  Kaffee,  Thee,  Kakao,  Gewürze,  Südfrüchte,  Baumwolle  und  viele  an
Naturproducte  zugeführt,  welche  in  Deutschland  nicht  gewonnen  werden  tow
            
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