Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

6.  Kap.  Der  internationale  Handelsverkehr.

215

Möglichkeit,  daß  der  internationale  Handel  zu  übel  geleiteter  Consnmtion  führt
oder  umgekehrt  auch  eine  Verminderung  derselben  nach  sich  zieht,  noch  weitere
Ñomplicationen  ergeben,  welche  die  genaue  Ermittlung  des  Maßes  der  heilsamen ­
  Folgen,  die  der  Auslandshandel  mit  sich  bringt,  unmöglich  machen.
Ebenso  läßt  sich  der  Antheil,  welchen  eine  jede  der  beim  internationalen  Handel
^heiligten  Nationen  im  Verhältniß  zu  den  übrigen  daraus  zieht,  nur  ganz
^bestimmt  berechnen.  Stehen  sich  einerseits  scharfsinnige  und  thätige,  auf
Gewinn  erpichte  Kaufleute  aus  einer  civilisirten  Nation,  auf  der  andern  Seite
Landleute,  Jäger  und  Gewerbsleute  ohne  geeignete  Organisation  gegenüber,
şo  fällt  der  Löwenantheil  am  Gewinne  den  erstern  zu.  Das  ist  z.  B.  bei
Handel  der  Europäer  mit  den  Eingebornen  Afrikas  häufig  genug  der
'^ll.  Wo  sich  aber  hoch  entwickelte  Nationen  gegenüberstehen,  wenn  Engländer,
putsche,  Belgier,  Franzosen,  Holländer  und  Nordamerikaner  miteinander  in
Handelsbeziehungen  treten,  läßt  es  sich  schwer  nachweisen,  wer  im  einzelnen
Şalle  den  größern  Gewinn  macht,  und  ist  dies  in  den  meisten  Fällen  über-^oupt
  nicht  möglich.  Unter  gewissen  Umständen  tritt  es  allerdings  klar  zu
wer  am  meisten  profitirt,  und  zwar  dann,  wenn  eine  außergewöhn-^
  Nachfrage  nach  gewissen  Gegenständen  herrscht,  wie  das  beim  Aus-^uch
  des  Bürgerkrieges  in  den  Vereinigten  Staaten  vorkam,  als  gewisse
'^Negsbedürfniffe  beschafft  werden  mußten,  oder  umgekehrt,  wenn  ein  übermäßig ­
  großes  Angebot  zum  Export  bestimmter  Güter  stattfindet.  Im  erstern
wll  werden  die  Völker,  welche  Vorräthe  zu  liefern  vermögen,  im  letztem  die
Abnehmer  auftretenden  Nationen  im  entschiedenen  Vortheile  sein.  Beters ­
  klar  tritt  die  Thatsache,  daß  sich  eine  Nation  einer  andern  gegenüber
uu  Vortheil  befindet,  zu  Tage,  wo  factische  Monopole  bestehen.  Wenn  eine
A  von  Gütern  nur  in  einein  einzigen  Lande  erzeugt  wird,  so  kann  dieses
on  den  ausländischen  Consúmente»  sogar  eine  Steuer  in  Gestalt  von  Ausfuhrzöllen ­
  erheben.  Daß  ihm  in  der  Regel  auch  der  größere  Theil  des  gekochten ­
  Gewinnes  zufällt,  ist  ganz  selbstverständlich.
r  Aus  dem  soeben  Gesagten  ergibt  sich  die  Schlußfolgerung,  daß  es  nur
.ochst  selten  vorkommen  wird,  daß  der  in  Geld  ausgedrückte  Gesamtpreis  der
Abortirteli  Güter  demjenigen  der  ausgeführten  gleichkommt.  Eher  könnte
oņ  geneigt  sein  anzunehmen,  daß  die  Preise  des  einen  Jahres  denen  de?
jst  ^ņben  Jahres  bis  zu  einem  gewissen  Grade  gleich  wären.  Aber  auch  das
ņîcht  der  Fall;  es  finden  vielmehr  von  Jahr  zu  Jahr  bedeutende  ^chwanņ^en
  statt.  Die  Ursachen  derselben  sind  hauptsächlich  die  folgenden:
¡i  1  -  Die  Anlehen,  welche  Einzelne,  Korporationen  oder  die  Regierungen
Auslande  machen.  In  solchen  Fällen  geht  das  dargeliehene  Kapital  außer
es.  ist  also  zu  den  exportirten  Gütern  zu  rechnen,  während  die  gezahlten
E^kssen  zum  Import  zu  rechnen  sind.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.