Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

hat  denn  eine  plötzliche  Preisumwälzung  nicht  nnr  Vermögensverschiebuugen,
sondern  auch  beträchtliche  Verluste  an  Nationalvermögen  zur  Folge,  weil  şie
die  Production  zum  Theil  in  falsche  Bahnen  leitet.
Als  Beispiel  für  ein  ziemlich  plötzliches,  überaus  bedeutendes  und  nachhaltiges ­
  Sinken  des  Tauschwerthes  des  Geldes  muß  besonders  die  Pre'srevolution,
  die  sich  im  16.  Jahrhundert  in  Europa  vollzog,  genannt  werden-Dieselbe
  brachte  äußerst  starke  Vermögensverschiebungen  zuwege.  Man  bedenke, ­
  was  es  zu  bedeuten  hatte,  daß  die  niedersächsischen  Roggenpreise  während
der  Jahre  1525—1550  genau  doppelt  so  hoch  standen  als  während  des  Zeitraumes ­
  vom  Jahre  1475  bis  1500.  Die  französischen  Weizenpreise  betrugen
in  der  Zeit  von  1450  bis  1500  durchschnittlich  4,08  Francs  pro  Setier,  von
1501  bis  1520  5  Francs,  von  1521  bis  1540  11,26  Francs,  von  1541  bis  1560
11,69  Francs,  von  1561  bis  1580  21,33  Francs  von  1581  bis  1600  32,5
Francs.  In  England  fanden  ähnliche  Preisverschiebungen  statt i .  Der  Gründe
dieser  Preisumwälzung,  die  sich  um  die  angegebene  Zeit  auf  allen  Production^
gebieten  vollzog,  sind  vornehnllich  zwei:  erstens  das  Zuströmen  der  Edelmetallschätze, ­
  die  im  spanischen  Amerika  gewonnen  wurden,  in  das  europäische
Mutterland  und  überhaupt  in  die  civilisirtesten  Länder  Europas  und  zweitender
  Umstand,  daß  sich  dazumal  in  vielen  Ländern  unseres  Welttheils  eine  beträchtliche, ­
  durch  die  größere  öffentliche  Sicherheit  und  die  verbesserten  Eolvmunicationsmittel
 2  begünstigte  Beschleunigung  des  Geldumlaufs  vollzog.  ® et
letztere  Grund  dürfte  vielleicht  in  noch  höherem  Maße  ausschlaggebend  gewestv
sein  als  der  erstere;  denn  die  amerikanischen  Edelmetallschätze  strömten  in  ihŗ^
ganzen  Fülle  in  die  europäischen  Länder  erst  zu  einer  Zeit  ein,  wo  sich  ^
Preisumwälzung  schon  in  gewaltigem  Maße  geltend  machte.
Uebrigens  dauerte  das  Sinken  des  Geldwerthes  mit  einigen  Schwab
kungen  und  längern  Unterbrechungen,  wie  sie  in  den  einzelnen  Ländern  namentü

:  Siehe  Roscher  a.  a.  O.  284.  .
2  Man  bedenke,  was  es  für  einen  Fortschritt  gegen  früher  bedeutete,  daß  "
Jahre  1504  auf  Befehl  Philipps  des  Schönen  die  spanisch-habsburgischen  Lande  du^
einen  sichern  und  erstaunlich  schnellen  Postverkehr  miteinander  verbunden  wurde  '
daß  also  die  Niederlande,  Deutschland,  Spanien,  ja  auch  Frankreich  in  regern
miteinander  traten.  Das  alles  geschah  auf  Rechnung  und  Gefahr  des  HauptpostmeÜ  e
Franz  von  Taxis,  der  für  alle  seine  Leistungen  nur  einen  mäßigen  Gehalt  bez^
Diesem  System  von  Verbindungen  wurden  dann  durch  einen  am  12.  November  ^
zwischen  Karl  V.  und  Taxis  geschlossenen  Vertrag  auch  Rom  und  das  spanische  Un
italien  angegliedert.  Die  Beförderung  von  Brüssel  nach  Paris  betrug  laut  biO  ,
Vertrage  im  Sommer  nur  36  Stunden.  Wie  mußte  diese  schon  an  die  modernen  '
hältnisse  erinnernde  Schnelligkeit  der  Communicationen  den  Wechselverkehr  erleich  ,
und  zu  beträchtlichen  Ersparnissen  an  Zahlungsmitteln  führen!  (Siche  I.  Rübs"
Johann  Baptista  von  Taris.  Freiburg  1889.)
            
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