Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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HI.  Buch.  Die  Verkeilung  der  Güter.

in  der  Ausbeutung  durch  Wucherer  oder  gewissenlose  Unternehmer  u.  s.
zu  suchen.  Die  Armut  entsteht  aber  auch  aus  Ursachen,  die  mit  einer
Bereicherung  anderer  auf  Kosten  des  Verarmenden  nichts  zu  thun  hâņ.
Solcher  Art  sind  mit  mehr  oder  minder  schweren  Verlusten  für  die  Menscht
verbundene  Naturereignisse,  wie  Ueberschwemmungen,  Trockenheit,  stürme,
Feuersbrünste  u.  dgl.  Auch  Krankheiten  und  Unfälle  können  zur  Verarmung
führen,  desgleichen  Schädigungen,  die  den  Menschen  seitens  anderer  Persone
zugefügt  werden,  wie  bei  Verlusten  durch  fremde  Bankrotte  oder  aķ
zwungene  Processe.  Endlich  führen  auch  geschäftliche  Untüchtigkeit  und  1
griffe  und  besonders  häufig  die  Hingabe  an  Laster  sehr  viele  Leute  dei
wirtschaftlichen  Ruin  entgegen.  .
Es  ist  eine  traurige  Aufgabe,  den  Ursachen  der  Verarmung  in  den  einzeln  ^
Fällen  nachzuspüren  oder  die  Gründe  derselben  auch  nur  im  allgemeinen  M
erforschen.  Aber  ebenso  sind  viele  Arten  des  Reichwerdens  höchst  widerwärtige
Natur,  doch  durchaus  nicht  alle.  Selbstverläugnung  und  Mäßigkeit,  Tûchķ
keit  und  Biedersinn,  angestrengte  Körper-  und  Geistesarbeit  sind  oft  nu
durch  reichen  materiellen  Gewinn  belohnt  worden.  Aber  nur  zu  häufig  1
das  detaillirte  Studium  des  Ursprungs  der  Vermögen  etwas  Peinliches.  ^
Schriftsteller  verschließen  allerdings  vor  solchen  Erscheinungen  die  Augen.  ®
ist  aber  ganz  unzulässig;  man  muß  vielmehr  den  Verhältnissen  offen  ins
gesicht  schauen.  $
Man  kann  sich  auf  dreierlei  Art  mit  denselben  abfinden,  w^
gibt  es  Leute,  welche  mit  den  Socialisten  in  dem  Wunsche  einig
die  Vermögensungleichheiten  abzuschaffen  und  den  Collectivbesitz  aller  4
ductionsmittel  einzuführen,  als  ob  die  Ungleichheit  des  Eigenthums  bii  ^
fache  und  nicht  vielmehr  die  Folge  der  Schwachheiten,  Laster  und  Leiden
Menschen  wäre.  Andere  hinwiederum  stehen  diesen  Thatsachen  mit  cymf  ^
Gleichgiltigkeit  oder  pessimistischer  Hoffnungslosigkeit  gegenüber,  ohne  Z"  _
achten,  daß  man,  wenn  man  auch  Verderbtheit  und  Unterdrückung  nicht  9^  ^
lich  auszurotten  vermag,  doch  den  Wirkungen  derselben  starke  Dämme
gegensetzen  kann.  Die  dritte  Methode  der  Beurtheilung  ist  endlich  dieses
welche  das  christliche  Sittengesetz  zu  ihrem  Ausgangspunkte  nimmt.  _  '
diesem  Standpunkte  aus  betrachtet  man  diese  Dinge  weder  mit
und  mit  hoffnungslosem  Pessimismus  noch  mit  trügerischer  Hoffnungssel'g^
Die  Geschichte  des  Ursprungs  der  Privatvermögen  ist  ein  beredter  Connne^
zu  der  Lehre  des  Christenthums,  welche  uns  die  übertriebene  Liebe  zum  <"  ^
thum  und  die  Uebervortheilung  des  Nächsten  verbietet,  die  Rückerstattung  ^
unrechtmäßig  Erworbenen  vorschreibt  und  den  christlichen  Regierungen^
Verpflichtung  auferlegt,  gewisse  üble  Arten  der  Bereicherung  nach
8«  verhindern.
            
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