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IV. Buch. Nachträge.
nationalen Eitelkeit der Gebildeten schmeicheln, ohne der hart um ihre Existenz
ringenden Volksmasse den geringsten Nutzen zu gewähren.
Leider nur zu oft ist im Laufe der Geschichte die übermäßige Inanspruch
nahme der Leistungsfähigkeit der Staatsbürger eine Hauptursache von Elend
und Verfall geworden. Man denke z. B. nur an die Geschichte Spaniens im
16. und 17. Jahrhundert, an die beständigen Kriege, die mehr im Interesse
der Dynastie als des Landes geführt wurden, und auch an die Unsummen,
die stets von neuem für großartige Bauten und für Prunk aller Art aus
gegeben wurden. Alle diese unproductiven Auslagen führten endlich zur
Verarmung des Landes, für dessen Ackerbau und Industrie verhältnißmüßig
wenig geschah.
Ein beredter Beweis für die Häufigkeit einer derartigen Außeracht
lassung der Leistungsfähigkeit des Volkes liegt in der an so vielen Orten an
zutreffenden Thatsache, daß die Volksmaffen von der Ueberzeugung erfüllt sind,
es sei nicht unehrenhaft, sich der Steuerzahlung nach Kräften zu entziehen.
Uebrigens muß man sich sehr davor hüten, aus der durchschnittlichen
Höhe der auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Steuerbeträge einseitige
Schlüsse zu ziehen. Um sich ein richtiges Bild von den auf der Bevölkerung
der verschiedenen Länder ruhenden Lasten dieser Art machen zll können, hat
man auch den Grad des Wohlstandes oder des Elendes der verschiedenen
Bevölkerungsklassen der betreffenden Staaten in Betracht zu ziehen. So hat
man berechnet, daß im Durchschnitt auf den Kopf der Einwohner in Ruß
land 14, in Preußen 26, in Italien 31, in England 42 und in Frankreich
51 Mark an Steuerlasten entfallen. Wenn man nun aber die Steuer
fähigkeit der Zahlungspflichtigen ins Auge faßt, so stellt sich das Verhältniß
ganz anders. Was den factischen Steuerdruck anlangt, so folgen diese Länder
wahrscheinlich in der nachstehenden ansteigenden Reihe aufeinander: England,
Preußen, Frankreich, Rußland, Italien. Es bleibt eine unumstößliche Wahr
heit, daß gewisse Ausgaben der Staatsgewalt, die in einem reichern Lande
gerechtfertigt erscheinen, in einem ärmern einen ungerechten Charakter tragen-