Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

große  Sterblichkeit  heimsuchen  würde.  Wenn  aber  beide  Nationen  auf  ihrer
Wanderung  während  der  Lebensdauer  mehrerer  Generationen  in  Süditalien
Halt  machen  würden,  so  könnten  sie  vielleicht  ihre  endgiltige  Uebersiedlung
mit  geringen  Opfern  an  Menschenleben  vollenden.  So  ergibt  sich  denn,  daß
von  den  Bewohnern  der  meisten  Gegenden  nur  gewiffe  Theile  der  Erde  unmittelbar ­
  als  Objecte  colonialer  Besiedlung  und  Thätigkeit  gewühlt  werden  können.
4.  Wie  keine  Rasse  durch  ihre  natürliche  Beranlagung  zu  physischem
Rückgang  oder  Untergang  verurtheilt  ist,  so  ist  sie  es  auch  nicht  zu  intellectueller
und  sittlicher  Verkommenheit.  Wir  wissen  das  allerdings  nicht  aus  anthropologischer ­
  Quelle.  Aber  es  ist  eine  historisch  bewiesene  Thatsache,  daß  sich
noch  keine  Wilden  vorgefunden  haben,  die  sich  als  absolut  zur  Civilisation
unfähig  erwiesen  hätten,  wenn  katholischen  Missionären  freie  Hand  gelassen
wurde.  Ebenso  sind,  soweit  wir  etwas  Genaueres  über  den  Zusammenhang
dieser  traurigen  Thatsachen  wissen,  auch  die  sogen,  schwächer»  Rassen  nicht
dahingewelkt  und  zu  Grunde  gegangen,  ohne  daß  die  Ursachen  davon  nur  zu
offen  in  ihrer  Schändlichkeit  zu  Tage  lügen.  Leider  werden  aber  bisweilen
sogar  in  Büchern,  die  sich  als  wissenschaftlich  ausgeben,  die  Gesetze  der  inductiven
  Methode  in  den  Wind  geschlagen  und  ohne  alle  ernstliche  Begründung
gewissen  Rassen  bestimmte  Eigenschaften  beigemessen  *.
Die  Volkswirtschaftslehre  steht  in  enger  Verbindung  mit  der  politischen
Wissenschaft  und  ist  von  dieser  mehr  aus  Gründen  der  Nützlichkeit  als  der
Nothwendigkeit  gesondert;  daher  sind  auch  die  politischen  Unterschiede  zwischen
den  Nationen  und  den  Ländern  in  volkswirtschaftlicher  Hinsicht  wichtiger  als
die  physischen  Unterschiede  zwischen  den  Rassen.  Die  Erde  ist  in  verschiedene
Regionen  von  ungleichem  Umfange  getheilt,  welche  sich  durch  beträchtliche  Ver-1
  Es  kommt  vor,  daß  Thatsachen,  die  mit  vorgefaßten  Meinungen  im  Widerspruch ­
  stehen,  einfach  ignorirt  werden.  Dies  geschieht  besonders  bezüglich  der  grausamen ­
  Behandlung,  der  Entsittlichung  und  der  gänzlichen  Ausrottung  farbiger  Raffen
durch  Europäer.  Dahin  gehören  z.  B.  die  Zerstörung  der  Jefuitenmiffionen  in  Südamerika ­
  durch  die  spanische  und  die  portugiesische  Regierung  um  die  Mitte  des  vorigen
Jahrhunderts  und  eine  ähnliche  Vernichtung  der  Franziskanermissionen  in  Californien
durch  die  mexicanische  Regierung,  ferner  die  unaufhörlichen  Beeinträchtigungen  und  die
schlechte  Behandlung,  deren  sich  die  Vereinigten  Staaten  und  die  dortigen  Kolonisten
den  Rothhäuten  gegenüber  schuldig  machten.  In  ähnlicher  Weise  wurden  die  Maoris
in  Neuseeland  behandelt.  Ferner  gehören  hierher  die  Ausrottung  der  sogen.  Schwarzen
in  Australien,  der  mit  furchtbarer  Grausamkeit  und  entsetzlichem  Blutvergießen  bewerkstelligte ­
  Menschenraub  der  Eingeborenen  Polynesiens,  deren  man  sich  bemächtigte,
um  sie  unter  den  elendesten  Verhältnissen  auf  den  Pflanzungen  zu  beschäftigen,  sowie
die  Verbreitung  von  Unsittlichkeit,  Verarmung  und  Krankheiten,  deren  sich  in  Afrika
europäische  Handelsleute  durch  die  Einfuhr  berauschender  Getränke  schuldig  machten.
In  allen  diesen  Fällen  war  der  Niedergang  der  eingeborenen  Völker  vollkommen  erklärlich ­
  und  abwendbar.
            
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