Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Die  gewerblichen  Zustände  im  i8.  Jahrhundert.

einer  Reihe  anderer  Institute,  als:  Kirchen,  Schulen,  Krankenhäusern, ­
  milden  Stiftungen  u.  s.  w.  *  Abgesehen  von  diesen  Vertrauensposten ­
  war  die  gesellschaftliche  Stellung  der  Handwerker
noch  immer  eine  wenig  angesehene.  Noch  in  den  sechsziger  und
siebziger  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  wurden  auf  dem  Rathhause ­
  die  Handwerker  mit  „Ihr“  angeredet  und  selbst  das  Leichenlied, ­
  das  dem  verstorbenen  Rathsmitgliede  in’s  Grab  nachgesungen ­
  wurde,  war  von  dem  bei  anderen  bürgerlichen  Beerdigungen
üblichen  verschieden  ^
Es  wird  dies  damit  Zusammenhängen,  dass  Riga,  obwohl  die  erste
Stadt  Livlands,  doch  in  seinen  äusseren  und  inneren  Verhältnissen
beschränkt  und  vielfach  ärmlich  erscheint  Demgemäss  machte  die
Entwickelung  des  Gewerbewesens  auch  nur  geringe  Fortschritte.
Allerdings  wird  die  Errichtung  fünf  neuer  Ämter  gemeldet:
1731  das  der  deutschen  Maurer;
1732  „  „  „  Zimmerleute  und  Baumeister;
1738  „  „  Perruquiers;
1748  „  „  Stuhlmacher;
1765  „  „  teutschen  Leineweber.
Überlegt  man,  das  von  den  im  Laufe  des  achtzehnten  Jahrhunderts ­
  neu  errichteten  Ämter  zwei,  die  der  deutschen  Maurer  und  Leineweber, ­
  längst  vorhanden  waren,  indem  sie  nur  eine  Trennung  des
bisherigen  Amts  in  eine  deutsche  und  eine  undeutsche  Hälfte  darstellten, ­
  so  kommt  man  zu  einer  Gesammtzahl  von  43  Ämtern-Nicht
  recht  ersichtlich  ist  das  Verhältniss  bei  den  Zimmerleuten,
da  von  deren  Amt  jetzt  zum  ersten  Mal  die  Rede  ist.  Der  Nachdruck, ­
  mit  dem  der  deutsche  Charakter  betont  wird,  zeigt  den
Gegensatz  zu  dem  seit  1680  bestehenden  Amte  der  undeutschen
Zimmerleute.  Höchst  wahrscheinlich  bestand  das  Amt  der  Zimmc*"'
leute  schon  lange,  und  hat  sich  nur  der  Schrägen  aus  älterer  Zeh
nicht  erhalten.  In  der  Erklärung,  die  die  kleine  Gilde  am  24.  AugnS*
1700  zu  Ungunsten  Patkuls  abgab,  sind  nur  29  Ämter  genannt,
im  Jahre  1766  aber  (siehe  weiter  unten)  waren  42  deutsche  Hant^'
Werksämter  vorhanden.
Neubestätigungen  erfuhren  die  Schrägen  der
Schlosser,  Sporen-  und  Büchsenmacher  .  .  1702;
Glaser  1713;
1  Rckardt,  a.  a.  O.  i,  S.  457,  458.
ü  Eckardt,  a.  a.  O.  i,  S.  460.
3  Eckardt,  a.  a.  O.  i,  S.  464.
            
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