Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Einleitung  zum  zweiten  Theile.

schwedischen  Herrschaft  in  Livland,  zu  bestimmen.  In  diesem
Sch  ragenbuche  treten  uns  somit  alle  Epochen  der  Entwickelung
des  rigischen  Handwerks,  also  die  Zeit  der  Entstehung  der  Zünfte,
die  ihrer  Hlüthe  und  ihres  Verfalls  entgegen:  Besonders  an  den
Schrägen  aus  dem  17.  Jahrhundert  sind  schon  alle  Anzeichen  des
Verfalles  wahrnehmbar;  die  Statuten  der  Handwerker  erscheinen
im  höchsten  Grade  einer  Reform  bedürftig.  Schon  kurz  vor  d
schwedischen  Herrschaft  in  Livland  beginnen  die  Bestrebungen
durch  Reformen  den  schreiendsten  Übelständen  im  Schoosse  des
rigischen  Gewerbewesens  Abhilfe  zu  schaffen.  Ein  Jahr  vor  der
Eroberung  Rigas  durch  Gustav  Adolf  sehen  wir  schon  den  rigischen
Rath  nach  dieser  Seite  hin  energische  Schritte  durch  den  Erlass
gegen  die  übertriebenen  Forderungen  zur  Ausrüstung  der  Amtskoste
  thun.  Der  Abschluss  unseres  Schragenbuches  fällt  also  m'^
dem  Ausgange  der  drückenden  polnischen  Herrschaft  und  dem
Beginne  des  schwedischen  Regimentes  zusammen,  mit  dem  auc
für  den  Handwerkerstand  eine  neue  Epoche  anhebt.
Mit  der  schwedischen  Herrschaft  beginnt  eine  bessere
Die  neue  Regierung  wandte  ihre  Fürsorge  allen  Gebieten  zu,
dass  auch  der  Handwerkerstand  nicht  unberücksichtigt  blieb.  ^
Zur  allseitigen  Beleuchtung  des  Wesens  und  Lebens  des  Han
Werks  sind  neben  den  Amtsschragen  auch  die  Statuten  der  Gesell^
verbände  unserer  Sammlung  einverleibt  worden;  lehnen  diese  siC
doch  eng  an  die  Statuten  der  ältesten  Gilden  oder  geistlich^*’
Brüderschaften,  aus  denen  im  Gegensätze  zu  manchen  Gebict^^
so  z.  B.  zu  Lübeck,  hier  die  Zünfte  erwuchsen.  Wildas  ^
hinsichtlich  der  Priorität  der  geistlichen  Brüderschaften  vor  ^
Zünften  finden  auch  in  den  rigischen  Schrägen  einen  Stützpun
Im  Hinblicke  nun  auf  den  Umstand,  dass  die  Gilden  typisch
die  Ausbildung  der  Handwerkerzünfte  eingewirkt  und  einen
tigen  Faktor  im  gesellschaftlichen  Leben  der  Bürger  im  mittelah^^
liehen  Riga  ausmachten,  erschien  es  mir  nicht  unrichtig  den  Schräg
sämmtlicher  Gilden,  somit  auch  den  von  K;iufleuten  gebildet^j^^
Aufnahme  zu  gewähren.  Der  Sammlung  sind  ferner  zur  V^rv^^
ständigung  des  gewerb-  und  zunftgeschichtlichen  Materials
schiedene  Entscheidungen  und  Verordnungen  des  Raths,
beliebungen,  Ergänzungen  und  Erweiterungen  der  Amts-Gildeschragen,
  darunter  die  mehr  für  die  Kulturgeschichte
vollen,  umfangreichen  Fastnachtsordnungen  u.  m.  a.  einvct
worden.
            
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