Alt-Rigas gewerbliches Leben.
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In Riga mag namentlich der letztere Beweggrund sich geltend
gemacht haben genug, dass sich Strassennamen finden, die von den
Benennungen Gewerbetreibender abzuleiten sind. Bereits im drei
zehnten Jahrhundert ist eine Schumacherstrasse (platea sutoruin)
und eine Kaufstrasse (kopstrate, lat. platea mercatoruni) d. h.
Kaufleutestrasse nachweisbar b In der letzteren erkennt man
unschwer die heutige Kaufstrasse, und die erstere wird uns später
auch als Schuhstrasse (schustrate, schostrate) namhaft gemacht.
Ausser diesen gab es noch eine Schmiedestrasse (platea fabrorum)
eine Krämerstrasse (platea mstitoriim), eine Kuterstrasse (Kuter so
viel wie Wurstmacher oder Fleischer), eine Schneiderstrasse (platea
sartoriim) und eine Schererstrasse (platea rasorum). Dagegen
ist die in der ersten Hälfte des i6. Jahrhunderts auftauchende Be
nennung „ Weverstrate“ * nicht von den Webern abzuleiten, sondern
als eine Verstümmelung des Wortes „Beverstrate^‘ d. h. Biberstrasse
anzusehen. Wenn nicht mehr Strassen als die wenigen aufge
führten nach Handwerken benannt erscheinen, so wird das darauf
zurückgeführt werden können, dass andere Gewerbe nicht zahlreich
genug vertreten waren, um der Strasse, die sie bewohnten, ihren
Stempel aufzudrücken. Die eine oder andere Bezeichnung kann
auch in Vergessenheit gerathen sein, wie z. B. die im vierzehnten
Jahrhundert vorkommende Schneiderstrasse * in späterer Zeit ihren
Namen geändert haben muss. Jedenfalls ist es wahrscheinlich, dass
die in den Strassennamen zum Vorschein kommenden Gewerbe
die ältesten der Stadt gewesen sind.
Die Bezeichnung einzelner Thore nach einem Handwerke, wie die
Schusterpforte (porta sutorum) und die Kuterpforte (porta fartoriiiu
videlicet kuterporten, porta mactatorum) kann daher rühren, dass
sie die gleichnamigen Strassen abschlossen. Doch will in Betracht
gezogen sein, dass die genannten Gewerbetreibenden — in Reval
auch die Badstüber - des Wassers benötigt, in der Nähe des Wassers
bestimmte gewerbliche Anstalten, wie Gerbekammer, Schlachthaus
tt- s. w., benutzten, so dass die Benennung der Pforten davon
abgeleitet sein kann. Vielleicht wurde endlich maassgebend, dass
den genannten Gewerbetreibenden, die sicherlich viele Anhänger
zählten, die Bewachung dieser Pforten anvertraut war. Auch eine
* Urkundenbuch 3, Nr. 1044 b, § 37 u. 65.
* Napiersky, Rrbebücher II, Nr. 818.
* Napiersky, Rrbeb. I, Nr. 14.