Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Alt-Kifjas  íícwerhlichcs  Leben.

Schusterbrücke  (pons  siitorum)  wird  erwähnt  wohl  in  nächster
Nähe  der  Pforte  gleichen  Namens.
Ähnlich  stösst  man  in  dem  Reval  des  vierzehnten  Jahrhunderts
auf  eine  Schmiede-,  Schneider-,  Krämer-  und  Schuhstrasse,  wie  auf
eine  Hadstüberpforte  (Porta  bahteatoruni)'^.
Ohne  Zweifel  war  die  Anordnung,  alle  Handwerker  der  gleichen
Art  in  eine  Strasse  zu  verweisen,  nie  streng  durchgeführt  und
überhaupt  das  gewerbliche  Leben  nicht  auf  bestimmte  Gegenden
beschränkt.  An  verschiedenen  Stellen  innerhalb  der  Stadt,  theilweise
  auch  ausserhalb,  aber  noch  zum  Weichbilde  gehörig,  zeigen
sich  Gebäude,  die  zu  gewerblichen  Zwecken  dienten.
Mühlen  gab  es  vor  der  Stadt,  auf  dem  Holm,  vor  der  Sandpforte, ­
  vor  dem  Schlosse  und  vor  der  Weberpforte.  Sie  wurden
grösstentheils,  bis  auf  eine  Wassermühle  und  bis  auf  eine,  deren
Motor,  wie^  aus  der  Bezeichnung  ,^perdcinole^^  oder  „rosinole^^
ersichtlich,  die  Pferdekraft  war,  vom  Winde  getrieben.  Die  Rossmühlen ­
  schliessen  in  der  Entwickelung  bekanntlich  an  die  Handmühlen ­
  an;  seit  Ciceros  Zeit  kamen  die  Wassermühlen,  seit  dem
9.  Jahrhundert  die  Windmühlen  auf,  und  zwar  zuerst  die  unvollkommenen ­
  deutschen.  Die  sogenannten  holländischen  Windmühlen
gehören  erst  der  Mitte  des  sechszehnten  Jahrhunderts  an®.
Die  Zahl  der  älteren  rigischen  Mühlen  festzustellen,  macht
Schwierigkeiten,  weil  einige  der  unter  verschiedenen  Namen  vorkommenden ­
  identisch  sind.  Sicher  lassen  sich  von  1382  bis  1482
auseinanderhalten  die  Sandmühle,  die  Windmühle  auf  dem  Rigeholm,
  die  Pferdemühle,  die  Bruder  Bertholdsmühle,  dem  Erzbischof
gehörig,  die  Domherrenmühle,  dem  Domkapitel  gehörig,  und  eine
wie  es  scheint  auf  Kosten  der  Stadt  errichtete  Sägemühle  (zageinölle),
  im  Ganzen  mithin  sechs.  Sie  scheinen  bis  auf  die  letztere
Getreidemühlen  gewesen  zu  sein  und  gehörten,  abgesehen  von  den
beiden  in  geistlichen  Händen  befindlichen,  der  Stadt,  die  für  ihre
Erhaltung  zu  sorgen  hatte  und  sie  zu  verpachten  pflegte.  Ob  Mühlen
und  wieviele  im  Privatbesitz  waren,  entzieht  sich  unserer  Kenntniss.
Die  Sägemühle  erscheint  insofern  als  ein  besonders  bemerkenswerthes
  Institut,  als  nach  allgemeiner  Annahme  sich  diese  Etablissements ­
  meist  erst  seit  dem  16.  Jahrhundert  (in  Norwegen,  Holstein,
1  Napiersky,  Erbeb.  I,  Nr.  17.
2  Arbusow,  Das  älteste  Wittschopbuch  cl.  Stadt  Reval.  E.  v.  Nottbeck,  Das
Zweitälteste  Erbebuch  der  Stadt  Reval.  1888-i8qo.
®  Roscher,  Ansichten  der  Volkswirthschaft.  1878.  II,  S.  180.
            
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