Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Die  Gewerbetreibenden.

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Nahrungs-  und  Genussmittelindustrie.  In  letzterer  fehlen  zwar  die
Höker  nicht,  aber  von  allen  Kuchen-,  Pasteten-,  Brötchen-,  Hafer-,
Ulen-  und  Oblatenbäckern  in  Lübeck  und  Hamburg  zeigt  sich  keine
Spun  Auch  an  Häringswäschern  und  Stocklischweichern  mangelt
es  in  Riga.  Leder,  zu  dem  der  Rohstoff  in  genügender  Menge  im
Lande  vorhanden  ist,  wird  zwar  vom  (ierber  hergestellt,  indess  ist  fur
die  verschiedenen  Handwerker,  die  es  verarbeiten  können,  als  Zaumverfertiger, ­
  Sattler,  Verzierer  von  Pferdegeschirren  der  Hoden  noch  j
nicht  geeignet.  Auch  weiss  man  von  der  Bereitung  feinerer  Leder-  ;
arten,  wie  sie  der  Rotloscher,  Korduaner  und  W'eissgerber  machen,
noch  nichts.  Das  Gleiche  gilt  für  die  Holz-,  Horn  u.  s.  w.  verarbeitende
  Industrie,  die  den  Rohstoff  in  Riga  aus  erster  Hand  i
haben  konnte.  Der  Drechsler  mit  seinen  Angehörigen,  als  Bolzen-,  ;
Büchsen-,  Spindel-  und  Ringdrechslern,  ist  nicht  vorhanden  und  der  ,
Rosenkranzdrechsler  (Bernsteindrechsler)  muss  sie  alle  ersetzen.
Statt  des  Bechermachers,  Kleinböttchers,  K  y  mers,  Eimermachers,
d.  h.  des  Böttchers  mit  seinen  Unterarten,  kennt  man  in  Riga  nur
den  Böttcher  und  den  Banthower  schlechthin.  Der  Sieb-,  der
Schreibpult-,  der  Leuchter-,  der  Stuhlmacher  —  sie  sind  noch  nicht
geboren  -  und  vom  Kunsttischler  (suiddeker)  und  Bildschnitzer  ist
keine  Rede.  Die  Glotzenmacherin,  d.  h.  die  Verfertigerin  von  Uber-  j
schuhen  (glotzen,  franz.  galoches)  aus  Kork  und  Leder',  die  in  |
dieser  Periode  sich  nur  in  Riga  nachweisen  lässt,  wenn  nicht  der
Stralsunder  „calopisla^‘  ein  Gewerbetreibender  derselben  Art  war,
wird  man  kaum  als  eine  Specialität  Rigas  in  Anspruch  nehmen
können,  zumal  sie  im  folgenden  Jahrhunderte  sowohl  in  Lübeck  als  ,
in  Danzig  Vorkommen.  In  den  Bekleidungsgewerben  weiss  man  |
sich  in  Riga  noch  ohne  Hut-  und  Handschuhmacher,  ohne  Kraghen-  i
und  Pantoffelmacher  (solemeker)  einzurichten,  wenn  auch  die  Gegen-  |
stände,  die  diese  Gewerbetreibenden  anfertigten,  nicht  unbekannt
gewesen  sein  werden.  Auch  im  Bauwesen  scheint  die  Kunst  nod
nicht  weit  gediehen,  denn  einen  berufsmässigen  Dachdecker,  geschweige ­
  denn  einen  Blei-,  Lehm-  oder  Steindecker  trifft  man  nicht
an,  sowenig  wie  den  Maler,  der  Häuser  zu  verzieren  und  Schilder
kunstvoll  anzufertigen  verstand.  Unter  diesen  Umständen  ist  eS
wenigstens  erfreulich  zu  erfahren,  dass  man  auf  Strassen  pilaster,
hoffentlich  auf  gutes,  Gewicht  legte  und  Pflasterer  (brngger)  'tt
Nahrung  setzte.  Im  Handel  müssen  der  rigische  Höker,  Kop
1  Koppmann,  Die  Mannstracht  der  Hamliurger  iin  Mittelalter  in  ^Aus  Hamburg
Vergangenheit“.  Erste  Folge,  S.  253.
            
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