Full text : Die Volkswirthschaftslehre

126  Buch  2.  Kap.  1.  Produktionsmittel.
Für  Aufsparung  neuer  Kapitalien  treten  aber  bei
weitergedeihender  wirthschaftlicher  Entwickelung  zunehmend
günstigere  Vorbedingungen  ein,  indem  mit  jener  das  Sparen
selbst  möglicher,  die  Geneigtheit  hierzu  verbreiteter  imb  das
Kapitalist  reu  des  Ersparten  unbehinderter  wird.
Ersparnisse  lassen  sich  nur  unter  der  Voraussetzung  machen,
daß  einerseits  Genüßenthaltung  stattfinden  kann,  also  inehr
producirt  wird,  als  in  der  Gegenwart  zur  Befriedigung  der
unumgänglichsten  Lebensbedürfnisse  erforderlich  ist,  und  daß
andererseits  die  zu  erübrigenden  Produkte  entweder  selbst  oder
doch  ihrem  Werthe  nach  ausbewahrungsfähig  sind.  Sparen  wird
deshalb  um  so  thunlicher,  je  eher  sich  späterhin,  bei  beträchtlicher
gewordener  Production  und  nach  allgemeiner  Erweiterung  der
Bedürfnisse,  ein  freierer  Spielraum  für  weniger  lästig  fallende
Einschränkungen  eröffnet,  und  je  leichter  alsdann  zugleich  bei
ausgebildetercm  Verkehr  alle  Produkte  durch  Vertauschen  gegen
Geld  in  eine  zur  Aufsparung  geeignete  Form  gebracht  werden
können.
Neigung  zum  Sparei:  pflegt  nur  bei  die  Zukunft  bedenkender
Vorsorglichkeit  und  dann  vorhanden  zu  sein,  wenn  die  Sicherheit
hinzukommt,  durch  vorübergehende  Entsagungen  künftighin  wirklich
  eine'  nachhaltige  Verbesserung  des  eigenen  Wohlstandes  zu
erreichen.  Dieselbe  verstärkt  und  verallgemeinert  sich  deshalb
schon  mit  heranreifender  wirthschaftlicher  Einsicht,  welche  bedachtsamer ­
  macht,  sowie  mit  zunehmender  Gewißheit,  bei  nun
besserer  Vcrwahrnugsmvglichkeit  und  größerer  Rechtssicherheit  auf
Behaltenkönnen  des  Zurückgelegten  rechnen  zu  dürfen,  während
dessen  Kapitalisirung  um  so  unerschwerter  ist,  je  vielfachere  Gelegenheit ­
  sich  bereits  zu  nutzbarer  Anlegung  jedes  aufgesparten
Betrages  darbietet.
Vermindert  hingegen  werden  die  Kapitalien  durch  Kulturriickschritte
  und  durch  nnproductiven  Verbrauch.
Erstere  können  den  Werth  früher  angelegten  Kapitals  durch
Verungünstigung  seiner  Beziehungen  zeitweise  oder  sogar  nachhaltig ­
  vermindern.  So  sinkt  z.  B.  der  Werth  des  Gebäudekapitals ­
  eines  Orts  dann  bedeutend,  wenn  derselbe  in  Verfall
geräth.
            
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