§ 155. Arbeitslohn.
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ouch auf die Dauer bei gleichmäßig starker und deshalb wirksamer
Nachfrage dieser entsprechend, insofern nur der ebenmäßigen
Vermehrung keine absonderlichen Hindernisse, z. B. durch
Beschränkung der Freizügigkeit, der Niederlassung, der Ver-
heirathungsbefngniß re., entgegenstehen. Es wird dies neben
anderweitherkommendem Zuzug namentlich dadurch vermittelt,
daß, wenn in Folge unzureichenden Angebots der Arbeitslohn
über die bisher als nothwendig erachteten Productionskosten
gestiegen ist, die Arbeiter entweder ihre seitherige Lebensweise
verbessern oder früher heirathen und mehr Kinder aufziehen
können. Im ersteren Falle wird das Arbeitsangebot dadurch
gesteigert, daß mit der verbesserten Lebensweise die Leistungs
fähigkeit und die arbeitskräftige Lebenszeit der Arbeitenden
zunimmt, während gleichzeitig die Sterblichkeit der Kinder, des
künftigen Arbeitergeschlechts, abnimmt; im letzteren Falle dagegen
dadurch, daß die Arbeiterbevölkerung sich unmittelbar rascher
vermehrt. Zeitweise vermag jedoch das Gleichgewicht zwischen
Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot insbesondere durch jede
plötzlicher eintretende einseitige Verminderung iinb Vermehrung
der ersteren oder des letzteren gestört zu werden.
Der Arbeitslohn muß sich, wenn die Nachfrage nach Arbeit
stärker ist als das Angebot an Arbeit, seiner Maximalgrenze,
im umgekehrten Falle hingegen seiner Minimalgrenze nähern.
Falls übrigens alle andern Umstände unverändert bleiben, steigt
derselbe also mit zunehmender Arbeitsnachfrage sowie mit
abnehmendem Arbeitsangebote, und sinkt mit Abnahme jener
sowie mit Zunahme dieses. So ist z. B. die sich späterhin
wieder mehr ausgleichende ungleiche Höhe des landwirthschaftlichen
Tagelohns in den verschiedenen Jahreszeiten wesentlich mit aber
keineswegs ausschließlich dadurch bedingt, daß zeitweise der
Arbeitsbedarf und demnach die Nachfrage nach Arbeit weit
größer ist, als zu anderen Zeiten. Der Lohn steigt da zumal
in der Ernteperiode, wo ohnehin die Arbeitszeit länger und die
Arbeit selbst zum Theil anstrengender ist, um so höher, je
beträchtlicher während der Ernte der Gebrauchswerth der Arbeit
und außerdem allgemeinhin die Zahlungsfähigkeit der land-
wirthschaftlichen Unternehmer ist, wogegen er im Winter um so
tiefer hinuntergeht, je geringer zu dieser Zeit der Arbeitsbedarf
ist und je weniger etwa zugleich das Arbeitsangebot abnimmt.
Ebenso wird z. B. ferner überhaupt jedwede in Folge starker
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