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gerollt und mit einem passend zugeschnittenen Stückchen Seiden
papier umwickelt, das an der Längsseite in schmalen Streifen zu
sammengeklebt wurde.
Die einheimische Produktion war anfangs jedoch zu unbe
deutend, als daß sie die Zigarette in weitere Kreise einzuführen
vermocht hätte. Die ersten Schritte hierzu getan zu haben, ist das
Verdienst des russischen Zigarettenfabrikanten Joseph Hupp
mann, der im Jahre 1862 als Filiale seiner beiden russischen
Etablissements in Dresden unter der Firma „Compagnie Laferme“
eine Zigarettenfabrik gründete, „um“, wie der Direktor dieser Fabrik
seinerzeit aussagte *), „von Deutschland aus den zunehmenden Export
seiner russischen resp. türkischen Zigaretten (der sich namentlich
auch nach Italien richtete) zu befriedigen“.
Dresden bot ihm hierbei wegen seiner Lage mancherlei Pro
duktionsvorteile, denn die Elbe ermöglichte eine billige Zuführung
des Rohmaterials von Hamburg per Schiff, günstige Zugverbin
dungen (Dresden—Wien—Triest) gestalteten den Export der her
gestellten Fabrikate nach Italien so billig als möglich, und endlich
war auch die Lage für die Versorgung des deutschen Marktes eine
durchaus zentrale.
Auf großkapitalistischer Basis begründet, begann die Dresdener
Lafermefabrik, die sich aus Rußland eine große Schar geübter
Arbeiter und Arbeiterinnen hatte kommen lassen, sogleich mit einer
Millionenproduktion, deren größter Teil freilich nach Italien an die
dortige Tabakregie verkauft wurde, da der deutsche Bedarf noch
außerordentlich gering war.
Um nun den Konsum in Deutschland künstlich zu steigern
und so die Grundlagen für eine gedeihliche Fortentwicklung ihres
Betriebes zu schaffen, entfaltete die Lafermefabrik eine große Reklame,
durch die sie das Publikum immer und immer wieder auf den neuen
Artikel aufmerksam machen und zum Konsum anregen wollte. Die
Erfolge stellten sich aber nur sehr langsam ein; noch im Jahre
1878, also 16 Jahre nach ihrer Begründung, setzte die Fabrik von
ihrer sich auf 60 Millionen Stück Zigaretten belaufenden Jahres
produktion nur Y« in Deutschland ab, alles übrige wurde exportiert
und zwar zum größten Teile nach Italien. Zum Teil war dieser
geringe Fortschritt in der Eroberung des deutschen Marktes für die
Laferme-Zigaretten eine Folge der natürlichen Schwierigkeiten, mit
denen ein Unternehmen zu kämpfen hat, das einen ganz neuen
1) Protokolle der Dresdener Bezirkskommission der Tabak-Enquete-Kommission.