24 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw.
sie kärnpften die Assyrer mit den Babyloniern, sie bemühte sich der
Perserkönig in seine Hand zu bekommen. Meist mußte er sich da
mit begnügen, daß die Araber ihm einen Weihrauchtribut leisteten
und ihm bei der Wasserversorgung der Wüstenstraße nach Ägypten
behilflich waren (Herodot III, 6—9), es ist aber niemandem ge
lungen, die umherschweifenden Stämme dauernd zu bändigen. Sie
sind nur selten den großen Staaten gefährlich geworden, da sie
unter sich meist uneins waren. Aber unangenehme Nachbarn waren
sie immer, und geeint, wie durch Mohammed, konnten sie eine ge
waltige Macht darstellen. Sie erhielten sich schlagfertig, indem sie
den Getreidebau vielfach mit schweren Strafen belegten, um ihre
Beweglichkeit im Felde nicht einzubüßen, eine Anschauungsweise,
die auch Mohammed vertrat, der gesagt haben soll: „Der Unterhalt
meiner Gemeinde beruht auf den Hufen ihrer Rosse und den Spitzen
ihrer Lanzen, solange sie nicht den Acker bestellen; wenn sie aber
anfangen das zu tun, so werden sie wie die übrigen Menschen."
Einerseits pflegten die Araber den Zwischenhandel von den öst
lichen Ländern zum Mittelmeer, andererseits trieben sie auch selbst
Handel mit ihren Landesprodukten, die zum Teil einzigartig waren,
so der Weihrauch. Wenn sie nicht selber Karawanen ausrüsteten,
gewährten sie den durchziehenden Kaufleuten Schutz gegen ent
sprechend hohe Abgaben; wurden diese verweigert, so beraubte man
die Kaufleute. Raub war überhaupt bei den Arabern, wie bei den
meisten Handelsvölkern, eine wichtige Nebenbeschäftigung. Die ara
bischen Karawanen, welche zum Mittelmeer strebten, gingen meistens
nach Gaza, aber auch in Syrien traf man arabische Kaufleute in
großer Zahl an. Ägypten wurde ebenfalls vielfach von ihnen auf
gesucht (Moses 1,37,25). Sie vermittelten auch den Handel nach
Indien, und es scheinen schon früh von Saba aus nach Indien Schiffe
gekommen zu sein. Die Verbindung mit Babylon wurde bereits
in alten Zeiten zu Wasser und zu Lande hergestellt. Die Waren,
vor allem Weihrauch und Myrrhen wurden vielfach in der Weise
zusammengebracht, daß die einzelnen Stämme sich auf großen
Marktplätzen auf kurze Zeit vereinigten und regelrecht miteinander
Handel trieben (Diodor XIX, 94). Ihre Bedeutung als Zwischen
händler haben die Araber viele Jahrhunderte lang behalten, ja
sie besitzen dieselbe zum Teil heute noch. Zeitweise wurde ihre
Bedeutung dadurch verringert, daß die Ptolemäer die direkte Schiff
fahrt nach Indien pflegten (S. 83). Aber als Produzenten von
Weihrauch und vielen andern wertvollen Gegenständen blieben sie