78
Als liquid gilt auch die Anlage in Lombards, welche vor den gewöhnlichen
pfandversicherten Forderungen den Vorteil haben, dass als Hinterlage
meist kurante Wertpapiere da sind, und ausserdem gibt ihnen die Bank
in der Regel die Form einer Wechselforderung. Reports sind wenigstens
kurz terminiert.
Von den Vorschüssen, Kontokorrent-Debitoren und Hypotheken ist
erfalirungsgemäss nur ein Teil sofort kündbar und ein noch kleinerer sofort
realisierbar. Ja im allgemeinen ist in Krisenzeiten, wenn die Bank ihren
Status recht liquid gestalten möchte, auch ihr Kündigungsrecht meist von
illusorischem Werte. Sie wird im Gegenteil ihre schwachen Kunden sehr
rücksichtsvoll behandeln müssen, eventuell ihnen sogar noch mit weiteren
Mitteln über die kritische Zeit hinweghelfen, statt dass sie von ihnen eine
sofortige Rückzahlung der Schuld fordern kann.
In Anbetracht der Schwierigkeit, hier genau scheiden zu können, hat
denn auch das Statistische Bureau der Schweiz. Nationalbank in seiner
ersten Bankstatistik davon abgesehen, der Frage der Liquidität weiter
nachzugehen. Es wird zur Begründung des weitern noch darauf hingewiesen,
dass die der Statistik zu gründe liegenden Bilanzen nur für einen Tag des
Jahres gelten und nichts über die Beschaffenheit der Durchschnittsbilanz
aussagen. Sodann trete im allgemeinen die Frage der Liquidität nur in
einem kritischen Zeitpunkt aus dem Stadium des theoretischen in das
jenige des aktuellen Interesses, und dann können die Verhältnisse ein ganz
anderes Aussehen bekommen.
In der zweiten Bankstatistik hat das erwähnte Bureau nun doch zur
Frage der Liquidität Stellung genommen. Zu den leicht greifbaren
Mitteln werden da gerechnet:
1. Kassa und Giroguthaben,
2. Korrespondenten-Debitoren,
3. Wechsel,
4. Lombardvorschüsse und Reports.
Es wird also auf eine Einbeziehung des Effektenbestandes verzichtet,
indem die Wertschriften mit den Konsortialbeteiligungen, den Konto
korrent-Debitoren, den Hypotheken, Immobilien, Mobilien und dem nicht
einbezahlten Aktienkapital als „Sonstige Aktiva“ den leicht greifbaren
gegenübergestellt werden.
Aus unsern Ausführungen über das Wechseldiskont-, wie auch das
Effektengeschäft kann nun wohl für die Lokal- und Mittelbanken ange
nommen werden, dass beim Wechselportefeuille nur ein Teil als liquid
anzusehen ist, dass dagegen anderseits wohl ein schöner Teil des Effekten
bestandes als liquide Anlage betrachtet werden kann. Allerdings ist hier