neben der delictischen, auch die bloß verwahrloste Jugend
Platz finden kann.*)
Der Ablieferung in die Reformatory Schools muss, der
Ablieferung in die Industrial Schools kann die Verbüßung
einer Gefängnisstrafe vorangehen, so dass wir es im erstern
Falle mehr mit einer Art von Nebenstrase, in letzterem mit
einer correctionellen Hast in unserem Sinn zu thun haben.
Die Einrichtung dieser beiden Arten von Anstalten ist
nach dem Zeugnisse Aschrotts keine wesentlich verschiedene:
die Industrial Schools stellen bloß eine mildere Form der
Reformatory Schools dar, weil die Disciplinarvorschriften
hier gelindere sind, die tägliche Arbeitsausbildung von 6 auf
4 Stunden herabgesetzt erscheint und die Kinder regelmäßig
mit vollendetem 16. Lebensjahre aus der Anstalt entlassen
werden.
Gemeinsam beiden Arten von Anstalten ist die Aus
bildung des Einzelnen in den Elementargegenständen, Lesen,
Schreiben, Rechnen, wofür 3 Stunden täglichen Unterrichts
bestmlmt sind, daneben Unterricht in der Landwirtschaft,
Gärtnerei und in allen Handwerken, welche nach den Mitteln
der Schule zugänglich erscheinen**).
Beide Arten von Schulen haben sich auf organischem
Wege entwickelt ltitb hat zu der Entstehung der Reformatory
Schools insbesondere der große Philantrop John Howard
(1737—1791) den Anstoß gegeben, indem er'in einer 1758
erschienenen Schrift „eine correctionelle Behandlung der ver
brecherischen Jugend, Trennung derselben von anderen Ge-
*) Fälle solcher Art sind: Wenn die Mutter eines Kindes unter
14 Jahren zweimal wegen eines crime verurtheilt, wenn der Vater
Stiefvater oder Vormund eines Kindes die Abgabe seines Kindes in
die Industrial School verlangt, indem er nachweist, dass er nicht im
stande sei, dasselbe zu beaufsichtigen.
**) Die Thätigkeit einer solchen Anstalt veranschaulicht die Tages
ordnung der berühmtesten Reformatory School zu Redhill in folgen
der Weise:
5 U. 30 M. Aufstehen, 6 U. Arbeit, 8 U. Frühstück und Spiel,
9 U. Gottesdienst, 9 U. 30 M. Arbeit oder Unterricht, 12 U.
Mittagsessen und Spiel, 1 U. Arbeit, 5 U. 30 Mi. Ende der
Arbeit, 6 U. Abendessen und Spiel, 8 11. Schlafengehen.
Unter den Handwerken spielen Schuhmacherei, Schneiderei, Bäckerei,
Wäscherei, Weißnäherei und Stickerei die Hauptrolle.