Handelskammer zu Bremen über das Jahr 1912 erwähnt, daß eine dort ein-
getroffene Lieferung argentinischer Baumwolle eine vorzügliche Qualität
zeigte.
Arbeiterfrage Während Klima und Bodenverhältnisse den Anbau der Baumwolle in
unübertrefflicher Weise begünstigen, bedarf die Arbeiterfrage noch der
Lösung. Ihr wird eine um so größere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein,
als gerade von der glücklichen Lösung dieser Frage die Entwicklung der
Baumwollkultur in Argentinien ganz und gar abhängt. Der Farmer bedarf
für "die Feldbestellung, die Aussaat, das Freihalten der Pflanzungen von
Unkraut einer Anzahl von Hilfskräften, die sich nach der Größe des
bebauten Areals richtet. Dieser Bedarf ist während des ganzen Jahres
ziemlich gleichbleibend, und schnellt nur zur Zeit der Ernte erheblich empor.
Nun sind die Ernteverhältnisse bei der Baumwolle allerdings bedeutend vor-
teilhafter als bei anderen Kulturpflanzen der Weltwirtschaft, Weizen z. B.
muß binnen wenigen Tagen nach der Reife geerntet werden, wenn kein
empfindlicher Verlust entstehen soll, und der gleiche Grund ist mehr oder
weniger bei der Ernte der übrigen Getreidearten, des Tabaks, Heus usw.,
maßgebend. Die Ernte der Baumwolle dagegen erstreckt sich über einen
sehr viel längeren Zeitraum — in den Vereinigten Staaten. z. B. ‚rechnet
man mit 100 Tagen — und in Argentinien liegen die Verhältnisse im
Durchschnitt noch günstiger. Da die Früchte nicht gleichzeitig reifen, wird
gewöhnlich dreimal gepflückt; in Argentinien dauert das Pflücken von
Februar oder März bis zum Juni, und wenn die Fröste erst spät einsetzen,
kann im Juni noch ein viertes Mal gepflückt werden. Das erste Pflücken
ist das ergiebigste und leichteste; der hierbei per Pfund gezahlte Arbeits-
lohn ist daher niedriger als beim zweiten und dritten Pflücken. In den
Vereinigten Staaten schwanken die Löhne zwischen 40 Cents und 1 Dollar
per 100 Pfund. Bei einem angenommenen Durchschnitt von 75 Cents per
100 Pfund. Samenbaumwolle bedeutet dies ca. 2,2 Cents Pflücklohn per
Pfund Lintbaumwolle. Von einem Verkaufspreis von 11 Cents per Pfund,
der einen guten Durchschnitt darstellt, wird mithin !/; nur durch den Pflück-
lohn absorbiert. Diese ungeheure Belastung der Produktion in den Ver-
einigten Staaten bedeutet eine wesentliche Verstärkung der Konkurrenz-
fähigkeit des argentinischen Baumwollbaues. Diesem stehen zunächst als
Indianer. Arbeitermaterial die Indianer des Chaco zur Verfügung, deren Zahl nach
offiziellen Schätzungen auf ca. 40000 angegeben wird. Es ist bereits
gelungen, sie in größerem Umfange zur Beschäftigung in der Zucker-
industrie Tucumäns heranzuziehen, und die hierbei erzielten verhältnismäßig
guten Resultate lassen erwarten, daß es mit der Zeit möglich sein wird,
in ihnen recht brauchbare Arbeitskräfte für die Baumwollkultur zu gewinnen.
Die in dieser Richtung bisher angestellten Versuche sind zufriedenstellend
verlaufen. Die Indianer leben bereits in einem gewissen Grade von Zivili-
sation, und es wird vor allem darauf ankommen, sie langsam an eiv®
geordnete und fortlaufende Tätigkeit zu gewöhnen. Gerade hierfür ist die
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