Spanien (Urproduktion: Ackerbau). 475
schäftigt; die Art und Weise der Bearbei
tung ist aber in vielen Gegenden eine
äußerst mangelhafte. Von dem Gesamt-
areal sind 39,4 Proz. unproduktiv, von
den übrigen 60,6 Proz. sind:
Ackerland und Gärten. 26,i Proz.
Weinland 2,8 -
Olivenpstanzungen . . 1,7 -
Wiesen und Weiden . 13,7
Waldungen 16,a -
Man unterscheidet sieben Kulturregio-
uen: die Region des Zuckerrohrs, der
Orange, deö Ölbaumö, des Weinstocks,
der Cerealien, der Wiesen und Triften,
der Heiden. Weizen, Roggen und Gerste
werden in den nördlichen Provinzen ge
baut, Mais und Reis (besonders in der
Provinz Valencia) in den südlichen Pro
vinzen, Erbsen in großer Menge, ebenso
Kartoffeln. Den Gesamtwert der Getreide
ernte schätzte man 1878 auf 1625,6 Mill.
Mk. 1877 erportierte S. für 41,8 Mill.
Mk. Getreide, wogegen es nur 4,7 Mill.
Mk. importierte; 1878 und 1879 war
aber infolge von Mißernte der Import
17,7, resp. 43,4 Mill. Mk., der Export nur
16,4, resp. 12,7 Mill. Mk. Die Ein
fuhr bestand 1878 in Weizen und Wei
zenmehl neben Gerste, Roggen und Mais,
die Ausfuhr vornehmlich in Weizenmehl
35 Mill, kg, Weizen 15,3, Gerste 3,9, Reg
sten 5,i, Kichererbsen 3,4, Hafer 6,i, Reis
2.2 Mill, kg re. — Gewürze, wie Safran
(Export 1877: 2,2 Mill. Mk.). Anis, Küm
mel, bilden wichtige Ausfuhrartikel.
Von-höchster Bedeutung ist aber die Obst-
zricht, welche nicht nur längs der Küste
und in den südlichen Provinzen, auch in
den warmen Flußthälern des Nordens
die^ verschiedensten Südfrüchte liefert.
1878 wurden von frischen und getrockne
ten Früchten (ohne Weintrauben und Ro
sinen) 15,9 Mill, kg ausgeführt, davon
Orangen 796 Mill. Stück, Mandeln 1.7
Mill, kg, Haselnüsse 5,8 Mill., Citronen
4.3 Mill. kg. Die O l i v e n k n 11 u r ist vor
nehmlich in Andalusien, Murcia, Valencia
und Aragonien zu Hause; von dem hier
aus, auch aus Erdpistazien (besonders m
Valencia) gewonnenen Öl wurden 18 c 8
24,6 Mill, kg ausgeführt. - Den ersten
Rang aber beansprucht der Weinbau.
Die berühmtesten Weine sind die andaln-
sischen Sherryweine, besonders die von
Irres de la Frontera, Puerto de Santa
Maria lind Malaga, von deilkatalonischen
Weinen die Sorten von Rens und Tar
ragona, von den Valenciaweinen die
schwarzen von Vellicarlo, lvclche viel zum
Verschneiden des Rotweins nach Frank
reich gehen. Der Export von Wein nach
Frankreich ist überhaupt seit dem Auf
treten der Traubenkrankheit enorm ge
wachsen. Auch der Valdepeñas und die Äli-
cantiner Weine sind geschätzt. Die Wein
ernte 1878 betrug 28 Mill, hl und wer
tete 564 Mill. Mk. Nächstwichtig ist die
Ausfuhr von Rosinen, namentlich von
Malaga und Almería; auch frische Trau
ben werden massenweise verschickt. 1878
wurden ausgeführt (in MillionenKilogr.):
Weine: | Edle Weine . . 11,4
Jeres u. Porto . 23,& Rosinen. . . . 33,4
Gewöhnliche. . 232,4 ļ Weintrauben. . 11,9
Damit hängt auch die wachsende Brannt
wein- und Essigproduktion zusammen, die
indessen dem Bedarf keineswegs genügt.
Man importiert viel Sprit, namentlich
aus Deutschland(Berlin), in neuester Zeit
allch aus den Vereinigten Staaten, um
denselben den Weinen zuzusetzen; 1878:
138,379 lil. — Znckerrohrban wird
durch die Einfuhrzölle (welche man neuer
dings gegenüber einer starken Opposition
der Pflanzer für den Zucker von Cuba auf
zuheben versucht) begünstigt und nimmt
zugleich mit der Verarbeitung desselben
m den südlichen Provinzen, besondersMa-
laga, stark zu; auch hat man Zuckerrüben
zubauen angefangen. Der Import betrug
1878: 29,227,003 kg. Dagegen ist der
Tabakbau, um die westindischen Kolo
nien zu schützen, verboten. Eine Zusam
menstellung des Handels mit vegetabili
schen Nahrungsmitteln, wobei Kakao mit
8 und Kaffee mit 2 Mill. Mk. in der Ein
fuhr vertreten sind, Tabak aber sich aller
Berechnung entzieht, ergibt für 1878 (in
Millionen Mark): Einfuhr Ausfuhr
Getreide 17,7 16,4
Getränke 8,5 111,2
Kolonialwaren . . . 31,o 5,6
Früchte und Samen . 1,3 / 44,o
Zusammen: 58,5 177/2