fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Lolitische u. soziale Wandlungen; Schicksale des ostfränkischen Reiches. 107 
Land fällt jetzt nicht nur beim Tode des Beliehenen, sondern 
auch beim Tode des Leiheherrn zurück, wie sonst auf dem Ge— 
hiete der Vassallität der Tod des Seniors zur Auflösung des 
Dienstverhältnisses geführt hatte. 
Das Benefizium ging somit aus den Kämpfen der ersten 
Hälfte des 8. Jahrhunderts hervor als eine zunächst von dem 
Herrscherhause entwickelte und ihm zur Verfügung stehende Be— 
leihungsform, die, jederzeit widerruflich, den Beliehenen veran— 
lassen mußte, jede dem Herrscher mißfällige Handlung zu meiden, 
und die den Rückfall des Benefiziums beim Tode sowohl des 
Beliehenen wie des Verleihers bedingte. 
In dieser Form wie in den früheren Entwicklungsstufen 
wurde nun das Benefizium von den Karlingen des 8. Jahr—⸗ 
hunderts vornehmlich dazu verwendet, die kriegerische Hilfe der 
Broßen gegen innere Feinde wie gegen Bedrohung von außen 
her, namentlich auch von seiten der Sarazenen, zu gewinnen. 
Grafen und sonst hervorragende Beamte oder Heerführer erhielten 
weite Strecken kirchlichen oder auch königlichen Landes; sie 
organisierten diese grundherrschaftlich, sie sammelten ein reisiges 
Gefolge um sich, sie beriefen freie Hintersassen in ihren Schutz 
und Heeresdienst und wurden so wesentliche Stützen der neuen 
Herrschaft. Indem dieser Vorgang sich immer häufiger zu 
Gunsten einer Reorganisation der kriegerischen Kräfte abspielte, 
lag es aber nahe, auf die kriegerische Stellung der Benefiziierten 
zum Herrscher dieselben Lebensgrundsätze anzuwenden, welche 
diese ihrerseits gegenüber ihrem Gefolge durchgeführt hatten: 
sie zu Vassen des Königs zu machen. Es geschah. Vassentum 
und Benefiziat verbanden sich allmählich zu einer neuen Form 
— 
dem sie ein Benefizium erhielten, schworen sie dem Könige die 
hesondere Treue der Gefolgschaft; und diese Treue wiederum 
erschien gewährleistet durch die Widerruflichkeit des Benefiziums. 
Und diese Verbindung von Benefizium und Vassentum, für 
welche der Name Vassallität gewöhnlich geworden ist, wurde so 
beliebt, daß sie sich auch nach unten weiter zu verbreiten be—
	        
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