Full text : Lexikon der Handelsgeographie

72  Brasilien  (Bergbau).

hölzern,  Farbhölzeru,  Kautschuk,  Harz
oder  Balsam  lieferudeu  Baumen  sowie  an
heilkräftigen  Pflanzen,  wie  Ipecacuanha,
Sassaparille,  Jalapa  u.  a.  Allerdings
wird  die  Ausbeutung  der  Naturschätze  in
wenig  rationeller  Weise  betrieben,  anderseits ­
  ist  der  Mangel  an  Verkehrsmitteln
dem  Handel  entschieden  hinderlich.  Dennoch ­
  zieht  B.  einen  sehr  bedeutenden  Gewinn ­
  aus  dein  Export  seiner  Waldprodukte. ­
  Kautschuk  und  Gummi  sind  bei  weitem ­
  die  wichtigsten  unter  ihnen,  davon
wurde  exportiert  1877—78  für  26,4Mill.,
1878—79  für  24,7  Mill.  Mk.  Der  Wert
der  übrigen  Hauptauöfuhrartikel  war
1872—73  (in  Millionen  Mark):
Jacarandaholz.  l,os  |  Feruambukholz  .  0,os
Bauholz  .  .  .  2,u  |  Paranüsse.  .  .  0,72
Dagegen  ist  der  Import  von  Holz  und
Holzwarcn  im  Wert  von  3,as  Mill.  Mk.
freilich  ein  unbedeutender,  während  trotz
des  Reichtums  an  mediziirischen  Krärrtern
ilird  Früchten,  mit  dem  das  Land  gesegiret
ist,  die  Einfuhr  voir  pharmaceutischen
Produkten  erheblich  stärker  ist  als  dieAuSfrrhr,
  ein  Zeichen  für  den  überall  zu  vermissenden ­
  Geist  für  industrielle  Nnteruehmuirgen.
  Au  Pflanzen,  Blättern  uiib
Früchten  wurden  1871—72  für  5,6  Mill.
Mk.,  ferner  Parfümerien  für  8,2s  Milk.
Mk.  importiert,  ohne  daß  dem  ein  nennenswerter ­
  Export  gegenüberstünde.
Bergbau.  Mit  Mineralien  aller  Art
ist  B.  in  gaiiz  außerordentlichem  Maß
gesegnet,  doch  wird  dieser  Reichtum  noch
wenig  ausgebeutet.  Seit  alters  berühmt
sind  die  D  i  a  m  a  u  t  gruben,  bereu  Ertrag
mau  bis  1850  schon  auf  360  Mill.  Mk.
berechnete.  Die  Ausfllhr  hatte  1877—78
einen  Wert  von  2,661,525  Mk.  und  1878
bis  1879  von  2,125,125  Mk.  Gold  ist
das  nächstwichtige  bergmännische  Produkt;
Hauptsitze  der  Goldgelvinnung  sind  die
Distrikte  von  Sao  Paulo  und  Ouro-Preto,
auch  Goya;  und  Matogrosso  liefern  viel
Gold.  Die  Gesamtausbelite  wird  1600—
1820  auf  2595,3  Mill.  Mk.  uitb  für  die
Zeit  voir  1820  —  29  aus  82,2  Mill.  Mk.
angegeben.  Jetzt  schätzt  man  den  jährlichen ­
  Ertrag  auf  ca.  90,000  Karat,  obschon ­
  1850  sogar  300,000  Karat  zu  Tage
gefördert  wurden.  Der  Export  von  Gold

iir  Staub  llud  Klumpen  wird  1871—72
auf  1,5  Mill.  Mk.  Wert  angegeben,  welchem ­
  eine  Einfuhr  von  Gold  und  Silber ­
  im  Wert  von  22,5  Mill.  Mk.  gegenübersteht. ­
  Allerdings  stieg  die  Allsfuhr
von  Gold  und  Goldstaub  1878—79  auf
5,000,175  Mk.  Dabei  hat  aber  auch  die
Einfuhr  andrer  Mineralien  und  Metalle
zugenommen.  Deiln  obwohl  man  Silber,
Kupfer,  Eisen,  in  neuester  Zeit  auch  Zinil
und  Zink  gefunden  hat  und  das  viel  vorkommende ­
  Magnetciscnerzsogar72,sProz.
reines  Eisen  enthält,  so  ist  doch  die  Produktion ­
  eine  äußerst  geringe  und  das  Land
für  Metalle  und  Metallwaren  fast  ganz  auf
das  Ailülaud  angewiesen.  DieJmportlisten
von  1871—72,  die  wohl  ein  zutreffendes
Bild  auch  der  gegenwärtigen  Zustände  311
geben  vermögen,  enthalten  folgenden  erheblichen ­
  Wert  (in  Millionen  Mark):

Kupfer  und  Messing  3,8
Blei  und  Zink  l,o
Eisen  und  Stahl  10,5
Messerschmiedewaren  l,o
Maschinen  und  Werkzeuge.  .  .  .  10,9
Jnstruinente  2,7
Waffen  und  Munition  2,7

Hierher  müssen  wir  noch  die  gleichfalls
bedeutende  Einfuhr  vou  Uhren,  Wagnerarbeiteu,
  Metalloiden  rc.  rechnen,  so  daß
der  Wert  der  jährlichen  Einfuhr  von  Metalleil ­
  und  Metallfabrikateu  auf  33—34
Mill.  Mk.  veranschlagt  werden  kann.  —
Nicht  weniger  bedeutend  als  die  Ausdehnung ­
  der  Erzlager  ist  die  vou  Steinkohieu.
  Mau  hielt  den  südamerikanischen
Kontinent  überhaupt  für  sehr  arm  an
mineralischen  Brennstoffen;  Steinkohlen
mußten  aus  England  und  Nordamerika
zll  gewaltigen  Preisen  eingeführt  werden
(in  die  brasilischen  Hafenplätze  zu  29,25
Mk.  für  die  engl.  Tonne,  die  in  England ­
  selbst  5  Mk.  kostet).  In  neuester  Zen
sind  aber  Stcinkohlenfelder  in  den  Provinzen ­
  Santa  Catharina  nild  Rio  Grande
do  Sul  entdeckt  worden,.  und  in  letzterer ­
  Provinz  werden  zwei  Minen  von
englischen  Gesellschaften  bearbeitet.  Daher
sank  die  Einfuhr  1875—76  von  369,000
metr.  Tonnen  (5,993,617  Mk.)  auf
345,524  T.  (4,207,031  Mk.).  Auch  Braunkohle, ­
  Torf  und  bituminöse  Lager  sind
            
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