Full text : Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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ist.  Solche  Bewegungen  sind  übrigens  in  Deutschland  nichts  Neues,
aber  man  hielt  früher  fälschlich  das  Anwachsen  des  Großkapitals
und  dessen  gleichermaßen  größer  werdende  Herrschaft  über  die  menschlichen ­
  Arbeitskräfte  für  die  alleinige  Ursache  derselben.  Man  war
daher  der  Ansicht,  daß  die  socialen  Nothstände  nur  durch  Lösung
der  Arbeiterfrage  beseitigt  und  künftig  vermieden  werden  könnten,
allein  unermüdlicher  wissenschaftlicher  Forschung  und  practischem
Scharfblicke  ist  der  Nachweis  gelungen,  daß  außer  der  Herrschaft
des  Großkapitals  über  die  menschlichen  Arbeitskräfte  noch  verschiedene ­
  andere  Ursachen  bei  Erzeugung  socialer  Nothstände  mitwirken. ­
  Namentlich  hat  die  wissenschaftliche  Untersuchung  über  die
Bedingungen  einer  auf  fester  Grundlage  ruhenden  gesunden  Volkswirthschaft ­
  die  Ueberzeugung  in  immer  weitere  Kreise  der  Gesellschaft
getragen  und  ihr  selbst  bei  ehrlichen  und  nrtheilsfähigen  Socialdemokraten ­
  Eingang  verschafft,  daß  die  sociale  Frage  sich  auf  den
Organismus  unseres  ganzen  gesellschaftlichen  Lebens  bezieht  und
nur  dann  richtig  gelöst  werden  kann,  wenn  alle  Theile  der  Gesellschaft ­
  entsprechend  ihrer  natürlichen  Anlage  sich  gesund  entwickeln,
so  daß  kein  Glied  auf  Kosten  des  andern  stärker  und  mächtiger
werde  und  die  Gesundheit  des  organischen  Lebens  schädigen  kann.
Kurz,  Armuth,  Elend  und  Unzufriedenheit  ganzer  Klassen  soll  verschwinden ­
  und  einem  möglichst  menschenwürdigen  Dasein  Allei  Plaß
machen.  Man  hat  angefangen  zu  begreifen,  daß  es  ganz  irrig  nt,
zu  glauben,  daß  Kapital  und  Arbeit  mit  einander  nothwendig  im
Kampfe  stehen  müssen,  sondern  daß,  wie  schon  die  bekannte  Fabel
„vom  Leibe  und  den  Gliedern"  lehrt,  beide  ohne  einander  nicht
bestehen  können,  sie  vielmehr  auf  sich  gegenseitig  angewiesen,  mit
andern  Worten  gleichberechtigte  Factoren  tin  gesellschaftlichen  Leben
stud.  Man  kommt  immer  mehr  zu  der  Ueberzeugung,  daß  die
industriellen  und  gewerblichen,  sowie  die  diese  an  Zahl  um  das
Doppelte  übertreffenden  ländlichen  Lohn-Arbeiter,  ferner  die  Landwirthe, ­
  die  kleinen  Handwerker,  die  Snbalternbeamtcn  und  die  unverheiratet ­
  bleibenden  Töchter  aus  den  mittleren  und  höheren
            
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