Full text: Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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Das Genossenschaftswesen befreit auch das Kleingewerbe von 
dem Drucke, welchem es durch das Großgewerbe mit seinen mäch 
tigen Mitteln: Wissenschaft, Maschinen, Kapital und Kredit aus 
gesetzt ist, indem es auch ihm, dem Fabrikarbeiter und ländlichen 
Arbeiter gestattet, an dem reichen Segen des Industriebetriebes 
mehr Teil zu nehmen. 
Durch die Genossenschaft wird der Arbeiter zum Bürger wirth- 
schaftlicher Gemeinwesen, er wird eine wirthschaftliche Persönlichkeit, 
die sich zur vollen Persönlichkeit des Unternehmers steigert und es 
bleibt ihm zum Unterschiede von den socialdemokratischen Gemein 
schaftlichkeiten das unschätzbare Gut der Individualität und Selb 
ständigkeit, wovon er an seine Genossenschaft nur soviel abgibt, als 
zur Ueberwindung der Existenzgefahren derselben nothwendig ist. 
Das Bewußtsein der eigenen Kraft, im Verein mit gleichen 
Kräften seiner Genossen erzeugt in ihm jenen stolzen und hingeben 
den Bürgersinn, der stets als Muster öffentlicher Tugend galt. 
Dem Staate führt die Genossenschaft tüchtige und zufriedene 
Bürger zu; in der Wirthschaft erobert sie, gegenüber der Herrschaft 
des todten Kapitals, der Arbeit das Bürgerrecht; die Gesellschaft 
wahrt sie vor den Gefahren socialer Verkümmerung und verhütet 
einen dauernden Zustand, in welchem die ökonomische Unselbständig 
keit die Regel und sociales Elend das Loos der Mehrzahl ist. 
Mögen es anfangs auch nur Wenige sein, welche durch die 
Genossenschaft zur Selbständigkeit gelangen und für Viele der Weg 
lang sein und das Ziel ungewiß bleiben, so wirkt doch schon das 
Bewußtsein der Möglichkeit, zu einer wirthschaftlichcn Selbständigkeit 
zu gelangen, unendlich wohlthätig und ermuthigend auf das Leben 
des auf seine Arbeit angewiesenen Mannes ein. 
Mit der Unabhängigkeit des Arbeiters erhöht sich auch dessen 
Selbstgefühl; sie schärft sein llrthcil und festigt seinen Charakter, 
sodaß er sich in allen Lebensverhältnissen leichter zurecht findet 
und sich weder durch Sophistereien, noch durch die für leichtgläubige
	        
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