Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

Erzeugung  von  Zucker  nicht  mehr  verwendbaren  Melasse.  Zwar  findet  sich
die  gelegentliche  Behauptung,  daß  in  einigen  Fabriken  mitttelst  eines  besonders ­
  zu  solchem  Zwecke  erfundenen  Apparates  auch  Bagasse,  iute  sie  aus
der  Mühle  kommt,  gebrannt  werde  und  daß  man  auf  diese  Weise  einen
Alkohol  herstelle,  der  sich  vortheilhaft  bei  der  Weiubereitung  benutzen  lasse.
Indessen  steht  diese  Angabe  zur  Zeit  noch  ziemlich  vereinzelt  und  ohne
Bestätigung  da:  die  eubauischeu  Fabriken  können  ohnehin  der  Bagasse  als
Brennstoff  vorerst  noch  nicht  entbehren.  In  neuerer  Zeit  soll  auf  Cuba
die  Erzeugung  von  Rum  überhaupt  zurückgegangen  sein,  angeblich  weil  in
Folge  der  Verbreitung  der  Diffusion  die  Menge  verwendbarer  Melasse  sich
verringert  hat.  Der  auf  Cuba  erzeugte  Runt  wird  weniger  geschätzt  als
derjenige  der  anderen  Antillen,  namentlich  der  von  Jamaica.  Die  Ursache
davon  wird  von  Einigen  der  Verschiedettheit  des  auf  den  beiden  Inseln
angebauten  Rohres  zugeschrieben,  von  Andern  der  Verschiedenheit  des  Verfahrens ­
  beim  Vergühren,  endlich  noch  von  Anderen  der  Verschiedenheit  der
verwendeten  Stoffe:  in  Jamaica  soll  matt  der  --  ohttehin  vielleicht  besseren
—  Melasse  etwas  Rohrsaft  zusetzen.  Der  Hauptplatz  für  die  Ausfuhr  von
Rum  ist  Matanzas.  Im  Jahre  1879  wurden  von  dort  12  464  Faß  gegen
6877  tttt  Vorjahre,  ausgeführt;  int  Jahre  1885  ebendort  6270  und  1886
nur  5958  Faß.  Die  Hauptabsatzländer  dafür  sind  Spanien  und  Südamerika. ­
  Früher  gingen  nicht  unerhebliche  Mengen  ttach  Deutschland;
indessen  konnten  vor  einigen  Jahren  die  dorthin  versandten  Posten  nicht
untergebracht  werden  und  blieben  lange  auf  Lager,  wodurch  die  Neigung
zu  weiteren  Sendungen  abgekühlt  wurde.  Der  Preis  stand  tttt  Jahre  1886
in  Cuba  auf  12'/%  bis  15  cts.  per  Gallone.

14.  B  r  c  nnstoff  e.
In  weit  höherem  Grade  als  auf  dem  europäischen  Festlande  bildet
in  den  Tropenländern,  und  besonders  in  Cuba,  die  Beschaffung  der  für
den  Fabrikbetrieb  erforderlichen  Brennstoffe  eine  Sorge  für  den  Fabrikanten. ­
  Die  Schwierigkeit  wird  vermuthlich  allmählich  noch  wachsen,  wenn
nicht  unvermuthete  Bezugsquellen  sich  öffnen,  da  mit  zunehmender  Bevölkerung ­
  und  mit  zunehmender  Entwickelung  der  Gewerbthütigkeit  auch  der
Bedarf  an  Brennstoffen  znnehnien  muß.  An  eine  Aushilfe  durch  die
neuerdings  in  die  Welt  eingeführtett  electrischen  Kräfte  wird  man  in
Cuba  schwerlich  denken  können  Vom  Dampf  abgesehen  ließe  sich  nur  auf
eontinuirliche  Wasserkraft  dabei  rechnen  und  eine  solche  steht  den  Fabriken
wohl  nie  oder  nur  in  den  seltensten  Fällen  in  nutzbarer  Nähe  zu  Gebote.
Brennholz  giebt  es  in  den  knltivirten  Theilen  der  Insel  so  gut  ivie
gar  nicht.  Auf  ben  Rohrpflanznngen  hat  man  bisher  allen  Baumwuchs
            
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