Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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tionen  vorgekommen  ist  und  oft  zu  Mystificationen  in  grossem
Maassstabe  geführt  hat.  Ganze  Generationen  sind  auf  diese
Weise  durch  den  Schein  der  mit  wissenschaftlichen  Bestandtheilen
  versetzten  Wunderlichkeiten  getäuscht  worden,  und
man  kann  Angesichts  solcher  Vorkommnisse  noch  nicht  einmal
behaupten,  dass  die  Urheber  derselben  mit  deutlichem  Bewusstsein ­
  verfahren  wären.  Im  Gegentheil  sind  es  häufig  genug
Naturen  von  verhältnissmässig  grosser  Naivetät  und  Aufrichtigkeit ­
  gewesen,  welche  fast  unwillkürlich  die  fragliche  Rolle
gespielt  haben.  Auch  soll  am  allerwenigsten  in  dem  uns  hier
beschäftigenden  Fall  das  Vorhandensein  einer  absichtlichen
Täuschung  angedeutet  werden.  Es  ist  uns  vielmehr  nur  darum
zu  thun,  bemerklieh  zu  machen,  wie  auf  der  Grundlage  eines
gut  gearteten  und  edel  denkenden  Charakters  dennoch  das  angedeutete ­
  Halbdunkel  bestehen  könne.
Was  wir  soeben  gesagt  haben,  soll  nicht  blos  für  die  Secte
der  Physiokraten,  sondern  auch  für  manche  Gestaltung  in  der
späteren  Entwicklung  der  Oekonomie  und  des  Socialismus
gelten.  Die  Mischung  der  wissenschaftlichen  Formen  mit  dem
Widerspiel  aller  Wissenschaft,  nämlich  mit  der  Berufung  auf
etwas,  was  sich  nicht  vollständig  in  Gründe  und  Thatsachen
auf  lösen  will,  darf  uns  nicht  überraschen.  Sie  ist  vielmehr
überall  ein  sehr  natürlicher  Charakterzug,  wo  die  Autorität  in
ihrer  unentwickeltsten  Form  in  den  Vordergrund  tritt.  In
diesem  Fall  wird  die  Person,  die  neben  dem  blossen  Wissen
auch  ein  Wollen  und  eine  Gestaltung  der  Dinge  vertritt,  da
wo  sie  sich  selbst  nicht  klar  ist,  gar  zu  leicht  veranlasst,  den
Einfluss  ihres  Ansehens  ganz  im  Allgemeinen  zum  Beweismitte
zu  machen,  und  so  erklärt  es  sich,  dass  die  Anhängeischäften
und  die  verschiedenen  Gruppen  des  Publicums  in  Vorstellungs
kreise  hineingezogen  werden,  in  denen  wichtige  Bestandtheile
dom  Urheber  selbst  nicht  klar  waren.  Ferner  begreift  sich
hieraus  auch,  dass  die  Adepten  der  Secte  oft  eine  stärkere
Ueberzeugungskraft  als  der  Stifter  entwickeln  können,  da  sie
Vieles  oben  nur  auf  die  Autorität  hin  angenommen  haben  und
die  BeschaflFenheit  des  Ueberlieferten  in  seinem  Ursprung  zu
Würdigen  nicht  im  Stande  sind,
2.  Nach  diesen  Kennzeichnungen  können  wir  der  Personlichkeit,
  der  die  Physiokratie  ihren  Ursprung  verdankt^ähertreton,
  ohne  uns  der  Gefahr  auszusetzen,  durch  die^  Hervor-
            
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