175
wir jetzt betreten, mit einem Mittelding zwischen 8ecte und
Partei zu thuu. Der Malthusianismus vertritt einen Typus
der Anschauungsweise, der zwar an sich selbst nicht him eicht,
eine Schulsecte und noch viel weniger eine Partei zu erzeugen,
wohl aber geeignet ist, gewissen gesellschaftlichen Positionen
und Anschauungsweisen zu schmeicheln, und hiedurch in den
Dienst bestehender Parteien zu treten. Auf diese eise hat
er sich auch in Rücksicht auf die Lehranstalten mit denjenigen
Elementen am besten verstanden, welche aus dem Ideenkreis
jener Parteien heraus ihrem Beruf oblagen. Der restaurativo
Stempel, der Allem aufgedrückt ist, was von Malthus her-
stammt, , hat sich selbst da nicht verleugnet, wo, wie bei
einem Sismondi, eine wohlmeinende und völlig entgegenge
setzte Absicht maassgebend gewesen ist, und wo von keiner
andern Abhängigkeit als derjenigen die Rede sein konnte^,
welche eine so zu sagen charakterschwache Logik mit sich
brachte. • , . , . , tu 1^.1,
Weit weniger misslungen ist im Vergleich mit dem Malthua-
schen Dogma die einem Ricardo eigenthümliche Bearbeitungs
art der Oekonomie. Die letztere zeichnet sich wenigstens durch
eine o-owisse Schärfe der Darstellung aus. Allerdings ist dieser
Vorzug nur ein verhältnissmässiger und gilt nur in der Gegen-
überstellung des Haltloseren. In Malthus Schriften muss man
stets erst eine gute Strecke zurücklegen, ehe man ein paar
Gedanken beisammen hat. Bei Ricardo wird man m dieser
Beziehung geschont; denn die Ideen folgen einander in einer
Gestalt, die zwar ihre Ecken und Kanten hat, aber doch meis
sofort und ohne lange Umschweife sehen lässt, was gemein
sei. Die unabsehbaren und unerheblichen Stoganhäufungen
der eigentlich Englischen und bei Malthus noch durch ( le
predigerhafto Breite gesteigerten Manier, waren nicht die Sache
eines Ricardo. Was aber den Inhalt anbetrifft, so besteht das
etwa neu zu Nennende nur in der weiteren Durchführung von
Gedanken, die sämmtlich schon von Andern veröffentlicht waren
und zum Theil sogar viel früher bei den betheiligten Geschäfts
leuten in Umlauf gewesen sein müssen. Ricardo hat daher
mehr die Fähigkeit zur Speculation mit vorhandenen Elementen
und zur logisch einseitigen Anordnung vereinzelter Oonse-
(juenzen, als etwa die höhere, schaffende Art der Gestaltungs
kraft bekundet. Sein wissenschaftliches Verhalten hat in dieser