Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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wir jetzt betreten, mit einem Mittelding zwischen 8ecte und 
Partei zu thuu. Der Malthusianismus vertritt einen Typus 
der Anschauungsweise, der zwar an sich selbst nicht him eicht, 
eine Schulsecte und noch viel weniger eine Partei zu erzeugen, 
wohl aber geeignet ist, gewissen gesellschaftlichen Positionen 
und Anschauungsweisen zu schmeicheln, und hiedurch in den 
Dienst bestehender Parteien zu treten. Auf diese eise hat 
er sich auch in Rücksicht auf die Lehranstalten mit denjenigen 
Elementen am besten verstanden, welche aus dem Ideenkreis 
jener Parteien heraus ihrem Beruf oblagen. Der restaurativo 
Stempel, der Allem aufgedrückt ist, was von Malthus her- 
stammt, , hat sich selbst da nicht verleugnet, wo, wie bei 
einem Sismondi, eine wohlmeinende und völlig entgegenge 
setzte Absicht maassgebend gewesen ist, und wo von keiner 
andern Abhängigkeit als derjenigen die Rede sein konnte^, 
welche eine so zu sagen charakterschwache Logik mit sich 
brachte. • , . , . , tu 1^.1, 
Weit weniger misslungen ist im Vergleich mit dem Malthua- 
schen Dogma die einem Ricardo eigenthümliche Bearbeitungs 
art der Oekonomie. Die letztere zeichnet sich wenigstens durch 
eine o-owisse Schärfe der Darstellung aus. Allerdings ist dieser 
Vorzug nur ein verhältnissmässiger und gilt nur in der Gegen- 
überstellung des Haltloseren. In Malthus Schriften muss man 
stets erst eine gute Strecke zurücklegen, ehe man ein paar 
Gedanken beisammen hat. Bei Ricardo wird man m dieser 
Beziehung geschont; denn die Ideen folgen einander in einer 
Gestalt, die zwar ihre Ecken und Kanten hat, aber doch meis 
sofort und ohne lange Umschweife sehen lässt, was gemein 
sei. Die unabsehbaren und unerheblichen Stoganhäufungen 
der eigentlich Englischen und bei Malthus noch durch ( le 
predigerhafto Breite gesteigerten Manier, waren nicht die Sache 
eines Ricardo. Was aber den Inhalt anbetrifft, so besteht das 
etwa neu zu Nennende nur in der weiteren Durchführung von 
Gedanken, die sämmtlich schon von Andern veröffentlicht waren 
und zum Theil sogar viel früher bei den betheiligten Geschäfts 
leuten in Umlauf gewesen sein müssen. Ricardo hat daher 
mehr die Fähigkeit zur Speculation mit vorhandenen Elementen 
und zur logisch einseitigen Anordnung vereinzelter Oonse- 
(juenzen, als etwa die höhere, schaffende Art der Gestaltungs 
kraft bekundet. Sein wissenschaftliches Verhalten hat in dieser
	        
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