Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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lîcziebung  seiner  praktischen  Tliätigkcit  in  Anleihegesclulften
entsprochen,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  er  mit  Hülfe  der
letzteren  seine  Laufbahn  zum  Millionär  diirchmaass,  während  er
in  der  ersteren  Beziehung  nicht  gleich  grosse  Verdienste  realisirtc.
  Dennoch  ist  er  aber  im  Hinblick  auf  einen  Mal  thus  eine
wahre  Erholung  zu  nennen,  da  man  bei  ihm  doch  wenigstens
die  Virtuosität  des  Verstandes,  wenn  auch  in  einer  verkehrten
Richtung,  antrifft.
Der  Umstand,  dass  Ricardo  die  ihm  zunächst  liegenden
Ideen  in  seinen  Vorstellungskreis  aufnahm,  erklärt  die  Verbindung ­
  der  beiden  einander  sonst  so  wenig  entsprechenden  Namen
zur  Bezeichnung  eines  einzigen  Systems.  Malthus  hatte  an  der
Grenzscheide  des  Jahrhunderts  zu  wirken  augefangen,  und  Ricardos ­
  sehriftstollerischo  Thätigkeit  fiel  in  das  zweite  Jahrzehnt.
Der  nur  etwas  jüngere  Zeitgenosse  hatte  daher  schon  eine  literarische ­
  Berühmtheit  zu  beachten*  mit  der  er  seit  1810  auch
zu  persönlichen  Vcrkchrsbeziehungcn  gelangt  war.  Vergegenwärtigt ­
  man  sich,  dass  er  von  Malthus  um  ein  Jahrzehnt  überlebt ­
  wurde,  und  dass  der  letztere  mit  seinen  Veröffentlichungen
noch  immer  fortfuhr,  so  hat  man  ein  Bild  von  der  geschichtlichen ­
  Zusammengehörigkeit  dieses  Paares.  Dennoch  bietet
seine  wissenschaftliche  Unzertronnlichkeit  eine  in  manchen
Beziehungen  seltsame  Annäherung  dar.  Der  auglicanische  Geistliche ­
  und  der  jüdische  Bekehrte,  als  ein  sich  nach  der  gleichen
Richtung  bemühendes  Gespann,  regen  unwillkürlich  die  Frage
an,  inwieweit  ihre  Grundanschauungen  zusammenzutreffen  vermochten. ­
  In  der  Antipathie  gegen  die  Armengesetze  reichte
der  letztere  dem  ersteren  die  Hand,  was  sich  nur  erklärt,  wenn
man  für  das  beiderseitige  Verhalten  zwei  ganz  verschiedene
Beweggründe  annimmt.  Andernfalls  würde  es  den  Anschein
haben,  als  wenn  Ricardo  mit  seiner  kirchlichen  Zugehörigkeit
auch  die  Traditionen  seiner  Race  geopfert  hätte.  Dies  ist  nicht
anzunchmen,  und  so  erklärt  sich  die  Unterstützung  der  Malthusschen
  Rohheit  in  der  Auffassung  der  Armengesetze  nur
durch  die  Anschauungsweise,  welche  mit  dem  Ueberwiegen
des  Erwerbstriebes  über  alle  höheren  Rücksichten  verbunden
ist.  Das  Vorhandensein  dieses  letzteren  Verhältnisses  unterliegt ­
  aber  bei  einem  Ricardo  keinem  Zweifel.  In  seiner  Person
haben  wir  es  nicht  mit  einem  genügsamen  Gelehrten,  wie
Adam  Smith,  zu  thun,  dessen  ganzes  Streben  in  der  Wissen-
            
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