Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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sehen  Zustände  die  entscheidende  Ursache  der  Wirthschaftslage
sind,  und  dass  die  umgekehrte  Beziehung  nur  eine  Rückwirkung
zweiter  Ordnung  verstellt,kann  oftenhar  in  der  bisherigen  Abfolge
socialistischer  Theorien  noch  keine  Erreichung  des  völlig  zutreffenden ­
  Standpunkts  erblicken.  Solange  man  die  politische
Gruppirung  nicht  um  ihrer  selbst  willen  zum  Ausgangspunkt
macht,  sondern  sie  ausschliesslich  als  Mittel  für  Futterzwecko
behandelt,  wird  man,  so  radical  socialistisch  und  revolutionär
man  auch  erscheinen  möge,  dennoch  ein  verstecktes  Stück
Reaction  in  sich  bergen.  Dies  gilt  bis  zum  gegenwärtigen
Augenblick  und  trifft  sogar,  wenn  auch  zum  kleinsten  Theil,
den  internationalen  Socialismus.  Es  ist  daher  von  Wichtigkeit,
  sich  zu  erinnern,  dass  die  Freiheits-  und  Gleichheitsideen,
welche  vor  der  Französischen  Revolution  ihr  Bücherleben  antraten ­
  und  alsdann  der  Welt  in  anderer  Form  nachdrücklichere
Lectionen  ortheilten,  zwar  nicht  den  Socialismus  selbst,  aber
die  mächtigsten  Antriebe  und  Ansätze  zu  der  besten  Gattung  desselben ­
  einschlossen.  Ein  Feuergeist,  wie  Jean  Jacques  Rousseau, ­
  dem  das  lebenswarme  Wort  in  treffendster  Gestalt  zu
Gebote  stand  und  der  überall  von  naturwüchsiger  Leidenschaft
bewegt  wurde,  musste  auch  da,  wo  er  verstandesmässig  die
nothwendigen  Schritte  noch  nicht  erkannte,  mit  seinem  Rütteln
an  den  socialen  Ketten  einen  gewaltigen  Anstoss  der  Gemüther
bewirken.  Seine  Abhandlung  über  die  Ursachen  der  Ungleichheit ­
  (1753)  gelangte  sogar  gelegentlich  zu  einem  Fluch  über  den
Ersten,  der  das  ausschliessliche  Eigenthum  abgepfercht  habe;
aber  nicht  ein  solches  Urtheil  über  die  Vergangenheit,  sondern
die  Bahnung  eines  Wegs  in  die  Zukunft  wäre  besser  am  Platze
gewesen.  Statt  dessen  beschränkte  sich  Rousseau  auf  die  halbe
'politische  Gonsequenz  und  wagte  späterhin  in  seinen  grossem
Werken  nicht  nur  keinen  unzweideutigen  Schritt  gegen  das
Gowalteigcnthuin,  sondern  bemühte  sich  sogar  positiv  um  Ableitungen ­
  im  Sinne  Lockes.  Das  Glcichheitsprincip  war  jedoch
unerbittlich  und  trieb  ihn,  wie  seine  Schüler,  überall  unwillkürlich ­
  hart  an  die  Grenzen,  wo  die  eigcnthümerische  Denkweise ­
  vor  der  unbestechlichen  Logik  zu  Schanden  wird.  Unwille ­
  und  Empörung  des  edleren  Sinnes  Hessen  auch  wohl
ausnahmsweise  jene  beengtere  Vorstellungsart  abthun,  und
grollend  streben  die  Gefühle  Rousseaus  oft  genug  nach  dem
andern  Ufer,  wo  die  verstandesmässigen  Gedanken  noch  kein
            
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