Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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gestellt  und  bethätigt  worden,  als  die  wissenscbaftlichc  Nationalökonomie ­
  ihren  Lebenslauf  eben  erst  begonnen  hatte.  Der
Grund  dieses  Missgriffs  liegt  nahe  genug.  Man  wusste  noch
nicht,  was  wissenschaftliche  Wirthschaftslohrc  zu  bedeuten  habe,
und  hielt  daher  in  der  verworrensten  Weise  alle  Uebcrlieferungen
  für  zurechnungsfähig,  die  nur  irgend  wirthschaftliche
Angelegenheiten  zum  Gegenstände  ihrer  Vorstellungen  gehabt
hatten.
Je  dürftiger  die  Vorstellungen  sind,  die  Jemand  von  den
wissenschaftlichen  Elementen  der  Wirthschaftslehre  hat,  um
so  mehr  wird  er  geneigt  sein,  den  Ursprung  dieser  Lehre  in
die  fernsten  Zeiten  zu  verlegen.  In  den  allergewöhnlichsten
Ideen,  die  sich  den  Menschen  am  ehesten  und  unmittelbarsten
aufdrängen,  stimmen  selbstverständlich  die  gedanklichen  Regungen ­
  aller  Zeiten  und  Völker  überein.  Es  ist  aber  nicht
diese  oberflächliche  Gemeinschaft,  was  den  wesentlichen  Inhalt
der  Wissenschaft  berührt,  sondern  cs  muss  im  Gegcnthcil  nach
solchen  Ideen  gesucht  werden,  welche  bereits  erhebliche  und
sich  von  dem  gemeinen  Lauf  der  Vorstellungen  unterscheidende
Sätze  enthalten.  Verfährt  man  nach  diesem  Grundsatz,  so  wird
man  finden,  dass  die  Wirthschaftslehre  eine  eminent  moderne
Erscheinung  ist  und  noch  dazu  eine  solche,  deren  wissenschaftliche ­
  Existenzweise  kaum  ein  Jahrhundert  hinter  sich  hat.  Verflacht ­
  man  aber  den  Begriff  der  wirthschaftlichen  Wissenschaft,
so  kann  man  allerdings  soweit  zurückgreifen  als  man  will,
und  es  wird  an  gelehrt  aussehendem  Stoff  niemals  fehlen.  Man
wird  alsdann  zu  dem  wunderlichen  Satze  gelangen,  dass  Wirthschaftslehre ­
  und  Socialtheorio  so  alt  seien,  wie  das  gedankenbildende ­
  Menschengeschlecht.
2.  Schon  Blanqui  in  seiner  geschichtlichen  Gesammtdarstellung,
  die  zum  ersten  Mal  1837  erschien,  glaubte  die
Entdeckung  gemacht  zu  haben,  dass  die  Wirthschafts-Ichre
  älter  sei,  als  man  gewöhnlich  an  nehme.  Auch  beschäftigte ­
  er  sich  in  seinem  Buch  ganz  unverhältnissmässig  mit
älteren  Erscheinungen,  und  dieses  Missverhältniss  würde  noch
mehr  hervorgetreten  sein,  wenn  er  überhaupt  zwischen  Wirthschaftstheorie
  und  Wirthschaft  unterschieden  hätte.  Letzteres
ist  aber  so  wenig  geschehen,  dass  im  Gegontheil  die  Theorien ­
  selbst  und  deren  Zusammenhang  fast  zur  Nebensache
gemacht  worden  sind.  Nun  konnte  ein  solches  Verfahren
            
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