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aie Ordnung der Dinge rein aus sich selbst aufrecht halten zu
können.
12. Nach Allem, was wir bisher über St. Simon hoigebracht
haben, drilngt sich die Frage auf, wo denn eigentlich der öko
nomische Socialismus, ja überhaupt auch nur der rein gesell
schaftliche Socialismus zu finden sei. Wir sind gewohnt, hei
dem fraglichen Wort an irgend welche Ideen zu denken, die
in Beziehung auf die wirthschaftlichen und gesellschaftlichen
Einrichtungen eine veränderte Anordnung ins Auge fassen.
St. Simon lässt aber nicht nur die Eigenthumsverhältnisse
wesentlich unberührt, sondern geht sogar grundsätzlich vom
persönlichen Interesse aus. Die Schwierigkeit, sagt er im
Katechismus der Industriellen, bestehe darin, eine Combination
zu finden, vermöge deren sich das persönliche Interesse mit
dem öficntlichen vereinige. Er nimmt hienach entschieden an,
dass die öffentlichen Angelegenheiten nur durch Vermittlung
der persönlichen Antriebe wahrgenommen werden können.
Fügt man noch hinzu, dass er selbst die gewöhnliche Grund
form der Ehe ebensowenig als A. Comte angegriffen hat,
so zeigt sich, dass seine Speculation nicht auf neue socia-
listische Rechtsformen ausgegangon ist. Eine Idee der social
politischen Geschichtsauffassung ist das Hauptergebniss des
St. Simonschen Nachdenkens gewesen, während als allgemeine
Triebkraft dCr Gedanke einer physiko-politischen Wissenschaft
von vornherein zu Grunde lag. Nach mehr materiell ökono
mischen und eigentlich volkswirthschaftlichen Aufstellungen
würden wir uns aber, aller Schriften über Industrie ungeachtet,
vergebens Hinsehen. IJebrigens ist dieser Sachverhalt sehr
natürlich und erklärlich. Die philanthropische Vei wert lung
der allgemeinen Wissenschaft war der Ausgangspunkt gewesen,
und die bereits vorhandene Nationalökonomie hätte für Jemand,
der einen neuen gesellschaftlichen Wissenszweig schaffen wollte,
in ihrer damaligen Beschaffenheit kaum einen Reiz haben
können. Sie lag zu wenig auf dem Wege der socialen Affecte,
und übrigens konnte St. Simon seinem ursprünglichen Bil
dungsgang gemäss zunächst von nichts Anderm als der Phy-
siokratie berührt werden. Später war er aber zu entwickelt
und zu selbständig, um nach dieser Seite hin für ganz entge-
gen gesetzte, so zu sagen un gesellschaftliche Auffassungsarten
empfânglich zu sein. Auch hat in der That dieser Gegensatz