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Land ersetzt werden, welches für den Bereich des eltmaiktes
ähnliche Einwirkungen übt, wie jener Mittelpunkt des isolirten
Staats. Ganz im Allgemeinen sind solche Anwendungen richtig.
Natürlich hat man hiebei nicht allein mit geographischen Ent
fernungen zu rechnen, sondern die Grössen und Richtungen
der Transport- und Verkehrshindernisse zu veranschlagen.
Von eigentlichen Kreisen, ja selbst von Zonen, die sich einigei-
maassen regelmässig gestalteten, kann zwar hier nicht die Rede
sein. An die Stelle dieser schematischen Verzeichnungen treten
die Regionen und zerstreuten Punkte von gleicher Erreichbar-
keit, so dass von einem Bezugsrayon des herrschenden Cen-
trums meist nur bildlich gesprochen werden darf. Diese Um-
stände sind jedoch ganz gleichgültig, sobald nur sonst die wesent-
lichen Verhältnisse des isolirten Staats in der Wirklichkeit
überall angetroffen werden. In einem gewissen Maass verhält
sich England auf dem Weltmärkte zu den vollständig oder
noch überwiegend ackerbauenden Staaten und Gruppen wie
eine grosse Stadt zu dem sie umgebenden platten Lande. Eine
solche Idee musste dem Mecklenburgischen Nationalökonomen
ausserordentlich einleuchten, da für seine Provinz der Englische
Absatz nicht leicht als unerheblich erscheinen konnte. Die Deut
schen Seeprovinzen blickten auf den Englischen Markt wie auf
einen Herrn ihrer Geschicke. Aus diesem Gesichtspunkt konnte
sich Thünen die Gestaltung der Ackerbausysteme auch auf dem
Weltmarkt durch die Action des Centrums beherrscht denken.
Das tiefere Verständniss liegt jedoch da, wo der völlig entgegen
gesetzte Ausgangspunkt, nämlich der Beginn mit en einem
landwirthschaftlichen Einheiten, gehörig ins Auge gefasst wird.
Dies ist durch Thünen principiell nirgend geschehen, da er
stets in der Idee der einseitigen Abhängigkeit vom Centrum
befangen blieb. -rr , ^ j
K Die Wendung, durch welche sich die Uebertrapng der
schematischen Schlüsse auf die Wirklichkeit vollzieht, i^, wenn
sie klar formulirt und von nebensächlichen Fehlern des Thünen-
schen Verhaltens gesondert wird, für die wissensch^tliche Me
thodik von grosser Bedeutung. Insoweit sich die Züge eines
Schema in der Wirklichkeit nachweisen lassen, gelten die Be-
ziehungen des ersteren auch für die letztere. Sie mögen sich
immerhin mit andern Verhältnissen und Nothwendigkeiten
combiniron; sie sind darum um nichts weniger real, als etwa