Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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erklärt  es  sich,  dass  der  in  der  feudalen  Atmosphäre  athmcndo
Denker  die  Bahnen  seines  grossen  Zeitgenossen  nirgend  betreten ­
  und  von  dem,  was  Friedrich  List  für  die  Gestaltung
des  Ackerbaus  zur  Hauptsache  machte,  auch  nicht  einmal  eine
entfernte  Yorstellung  gefasst  hat.
In  späteren  Ueberlegungen  hat  Thünen  seine  eignen  schematischen ­
  Annahmen  verschiedentlich  zu  wenden  gesucht.  Er
hat  sich  nicht  nur  mit  derjenigen  Gestaltung  beschäftigt,  welche
sich  ergieht,  wenn  man  an  Stelle  der  einen  grossen  Stadt  eine
Gruppe  von  gleichmässig  vertheilten  Städten  setzt,  sondern  hat
auch  die  Frage  ins  Auge  gefasst,  wie  der  Fall  der  Wirklichkeit, ­
  nämlich  die  Abstufung  der  städtischen  oder  industriellen
Mittelpunkte  zu  erklären  oder  vielmehr  an  einem  einfachen
Schema  zu  construiren  sei.  Hiemit  ist  er  aber  auch  an  die
Grenze  gelangt,  hei  welcher  seine  Vorstellungsart  auf  unüberwindliche ­
  Schwierigkeiten  stossen  musste.  Mit  der  älteren
Nationalökonomie  Hess  sich  hier  überhaupt  nicht  weiterkommen,
weil  dieselbe  mit  ihrem  falschen  Capitalbegriff  das  natürliche
Denken  unmöglich  machte.  Trotzdem  haben  die  Thünenschen
Versuche,  sich  innerhalb  der  Schranken,  welche  ihm  die  Begriffe ­
  der  ihm  imponirenden  Autoritäten  auferlegten,  in  den
selbstgestellten  und  immer  mit  einer  gewissen  Tiefe  formulirten
Problemen  zurechtzufinden,  einen  erheblichen  Werth  für  die
Anregung  zu  bessern  Untersuchungen.  Sie  bilden  im  Vergleich
mit  der  traditionellen  Grundlage,  auf  welcher  sie  sich  bewegen,
das  Gründlichste,  was  innerhalb  des  Rahmens  der  Schottisch
oder  Englisch  beeinflussten  Oekonomie  unternommen  worden
ist.  Da  sie  überdies  unmittelbar  an  den  Ackerbau  mit  besonderer ­
  Sachkenntniss  anknüpften,  so  stellten  sie  zugleich  eine
Brücke  vor,  auf  welcher  auch  der  Laudwirthschaftstheorio  die
sonst  meist  schlecht  gekannte  Region  ernstlich  nationalökonomischer ­
  Vorstellungen  zugänglicher  wurde.
Die  abstracten  Verzeichnungen  des  isolirten  Staats  sollen
nur  eine  methodische  Vorbereitung  sein,  um  die  gesammto
Wirklichkeit  zu  begreifen.  Der  zweite  Hauptabschnitt  der  betreffenden ­
  Bemühungen  besteht  hienach  in  dem  Versuch,  die
Verhältnisse  einer  wirklichen  Volkswirthschaft,  ja  schliesslich
der  über  die  Staaten  hinausgreifenden  Weltwirthschaft  durch
die  Ergebnisse  des  construirten  Schema  zu  begreifen.  Die
grosse  Stadt  kann  hier  z.  B.  durch  ein  vorherrschend  industrielles
            
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