— 479
als trügerisch erkannte Hegelsche Dialektik verleitet wor
den sei. So besitzen wir zu dem Anfang gleich das folge
richtige Ende, und dies ist wichtig, da alle Hauptschriften, bis
auf die Bücher über die Gerechtigkeit, die Hegelsche Dialektik
ganz ohne Bedenken zu bethatigen versucht haben. Glück
licherweise ist dies meist nicht ganz gelungen, und die Unklar
heit, Widersinnigkeit und Plumpheit, welche dem Muster an
haftet, nicht bis zum äussersten Maass wiedergegeben worden.
Vergessen wir jedoch nicht, dass die erste Schrift mit einer
Anrede an den Gegenstand der Gottes vor Stellung endigte, und
dass in dieser Beziehung Proudhon sich bei all seiner ver
meintlichen Philosophie erst später zu einer, wenn auch keines
wegs genügenden, so doch leidlich kritischen und allenfalls
für den naturwissenschaftlichen Denker noch erträglichen Vor-
stellungsart durchgearbeitet hat. Ein grosser Theil seiner
Schriften enthält eigentlich nichts weiter als philosophirerische
Reflexe, und wir gehen daher auf dieselben nicht ein. Ueber-
haupt können wir uns nicht mit der Gruppirung von mehreren
Dutzend Bänden oder Bändchen befassen, welche man in der
seit dem Tode des Autors erschienenen Gesammtausgabe re-
producirt hat. Wir führen daher unmittelbar nach der durch
die erwähnte Paradoxie mit Unrecht berüchtigt gewordenen
ersten Schrift gleich das zweibändige social ökonomische Haupt
werk an, dessen Unschuld schon durch die der rechtgläubigen
Volkswirthschaftslehro dienstbare und keinem ernstlichen Socia
lismus zugängliche Verlagsfirma Guillaumin verbürgt ist. Schon
mit dem Diebstahl, der im Eigenthum stecken sollte, hat es
nicht viel auf sich gehabt. Die Schaale hatte nach etwas aus
gesehen, aber der Kern war ein Nichts gewesen, welches sich
durch ein dialektisches Gaukelspiel zu einem Etwas aufspreizen
zu können geglaubt hatte. Das Hauptwerk gab sich nun als
„System der ökonomischen Widersprüche oder Philosophie des
Elends” (Systeme des contradictions économiques ou philosophie
do la misère, 184C). Schon der Titel soll die philosophirerische
Grundanschauung bekunden, derzufolge alles Wirkliche als
eine existirendo Gruppe von Widersprüchen zu denken sei.
Das Widersprechende ist nämlich nach der Hegclschen Logik
oder vielmehr Logoslohre nicht etwa in dem seiner Natur
nach nicht anders als subject!v und bewusst vorzustellenden
Denken, sondern in den Dingen und Vorgängen selbst objectiv