Methodologische Glossen, XVIII.
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immer ungeduldiger. Aber auch das Leben fährt dort am besten.
Steht doch die Wissenschaft, je mehr sie in ihren Problemen selber
reift, dann auch für immer reifere Lösungen gut, für Lösungen von
steigender Leistungswucht. Stockt hingegen die Problematik einer
Wissenschaft, wie im Zustand wortgebundener Theorie, soll das Leben
dabei viel gewinnen? Ja, als noch das ganze Wirtschaftsleben ver
gleichsweise ruhig dahinlief, in einem annähernden Beharrungszustand,
da war zur Not selbst mit einer Theorie von jener seltsam versteiften
Problematik auszukommen. Heute aber, wo alle Wirtschaft Eine Krisis,
unsere Zeit Ein Zweifel ist!
XVIII.
Im Umriß ist es allmählich hervorgetreten, wie sich die Theorie
der neuen Haltung abhebt von jener der herkömmlichen. Den tiefsten
Wandel führt die Läuterung der nationalökonomischen Problematik
herbei, der Bruch mit der Wortgebundenheit der Theorie. Daraus geht
nun gleich mehrerlei hervor, unter sich innig verflochten. Einmal löst
sich jene geheime Bindung an die Wirtschaft von heute; hiermit tritt
an die Stelle der „kommerzialistischen“ Theorie die Allwirtschaftslehre,
im buchstäblichen Sinne des Wortes. Aber es ist gleichzeitig der
Zwang zur „unfreien Nachdichtung“ des Lebens überwunden; die
„Tauschgüterlehre“, die man heute als den notwendigen „Hauptinhalt“
unserer Theorie wähnt, sinkt zur Rolle einer Hilfserwägung herab.
Damit wieder streift unsere Theorie ihren „unsoziologischen“ Habitus
ab. Wie sich die soziologische Methode selber durchsetzt, wird noch
in naher Folge klarer. Jedoch ein Drittes ist absehbar geworden.
Weil sich nämlich die Theorie nur in einem Laufe mit der ganzen
nationalökonomischen Problematik läutert, tritt ein weitererUmschwung
ein: aus einer „Theorie der bloßen Lösungen“ wird eine „Theorie der
Probleme“ I Wie das letztere gemeint ist, soll auch noch klarer werden.
Dagegen ist es bereits klar, wie das erstere zu verstehen sei. So eigen
tümlich versteift ist eben die Problematik bei ihr, daß in der her
kömmlichen Theorie von den grundlegenden Problemen wirklich nur
einwörtlich gestottert wird, von ihnen gehandelt aber nur ausnahms
weise und ohne rechten Zusammenhang. Als eigentlicher Gehalt der
Theorie kehren also nur die Versuche wieder, die alten Probleme
immer von neuem zu lösen, wobei die Probleme selber im Unter
bewußtsein steckenbleiben. So stumpft das Ganze zu einem Wust