Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

Existenzmittel  liervorzutrctcn  braucht.  Ucbcr  diese  tiefeien
AVirkungen  ist  sich  ein  Lassalle  natürlich  nicht  klai  geworden
und  hat  den  Einwendungen  über  die  Nivoauverschiedonheiten
dos  Arbeitslohns  nie  etwas  Anderes  entgogenzusotzen  gewusst,
als  die  Meinung,  dass  diese  Niveauverschiedenheiten  der  Grösse
nach  nicht  viel  zu  bedeuten  hätten.  Dennoch  sind  aber  oben
sie  diejenige  Thatsache,  durch  welche  der  Socialismus  erst
möglich  wird.  Diese  Thatsache  ist  es  auch,  die  das  vorbereitet, ­
  was  man  im  Sinne  Lassalles  allenfalls  den  Arbeiterstaat
nennen  könnte.
Der  Gedanke  dieses  Arbeiterstaats  war  die  erste  speciellere
Verzeichnung  gewesen,  zu  welcher  unser  Agitator  gelangte.
Er  hatte,  wie  schon  früher  angedeutet,  eine  Geschichtscon-Btruction
  entwickelt,  derzufolge  nach  der  mit  der  ersten  Französischen ­
  Revolution  in  den  Vordergrund  getretenen  Bourgeoisie
nun  der  politisch  und  wirthschaftlich  durchgreifende  und  maassgebendo
  Einfluss  des  Arbeiterstandes  an  die  Reihe  kommen
und  so  erst  die  wahre  Cultur  herbeiführen  müsse.  Vi  ie  Louis
Blanc  im  Eingang  seiner  Organisation  der  Arbeit  das  Benehmen
der  Bourgeoisie  mit  demjenigen  Ludwigs  XI  verglichen  hatte,
der  in  seinen  letzten  Tagen  den  herannahenden  Tod  durch  die
Affectation  von  Gesundheit  und  Leben  wegzulügen  und  sich  und
Andern  Lebensfrische  einzureden  suchte,  —  ebenso,  und  wohl
schwerlich  ohne  wirkliche  Reminisconz  aus  dem  Französischen
Autor,  sprach  Lassalle  davon,  dass  die  Bourgeoisie  „Frühlingswehen
  in  sich  zu  verspüren”  und  am  Anfang  zu  sein  vermeine,
während  sie  im  „Verfaulungsproccss”  begriffen  und  mit  ihrem
Reich  dem  Ende  nahe  sei.  Der  Weg  zu  der  Herrschaft  des
Arbeitorstandes  in  ökonomischer  Beziehung  sollte  nun  durch
das  politische  Mittel  des  allgemeinen  Wahlrechts  gebahnt  und
auf  diese  Weise  derjenige  Staatswille  geschaffen  werden,  der
sich  alsdann  auf  die  Durchführung  des  Systems  der  Productivassociationen
  zu  richten  hätte.  Diese  Brücke  des  allgemeinen
Wahlrechts  ist  dadurch,  dass  sie  stillschweigend  anerkennt,
dass  aller  Socialismus  politische  Vorbedingungen  habe,  eines
der  gelungeneren  Elemente  des  Lassalleschen  Programms.  Die
Productivassociationen  selbst  sind  aber  unklar  gedacht.  Sie
sollen  in  grossen  Dimensionen  die  ganze  Gesellschaft  umfassen
und  an  jedem  Ort  eingeführt  werden.  Sie  sind  offenbar  eine
Copie  der  Blancschen  socialen  Ateliers;  denn  auch  die  letzteren
            
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