Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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unci selbst da, wo die Wissenschaften und sogar die dem Poli 
tischen an sich selbst fremden Wissenschaften in Frage kom 
men, in Mittheilungsart und Inhalt überwiegend den Bourgeois- 
charaktor angenommen. Selbst die naturwissenschaftliche Denk 
weise und der theoretische Materialismus sind durch die Ein 
mischung der gegen die Volksmasse gerichteten Unterdrückungs 
interessen gefälscht und an ihrer propagandistischen Wirkung 
durch die Zurichtung für die sogenannten Gebildeten arg be 
einträchtigt worden. Zu den Beschränktheiten und dem Egois 
mus des die Volksmenge bewirthschaftenden Besitzbürgerthums 
hat sich von Zeit zu Zeit auch noch die priesterlieh feudal Be 
gehrlichkeit mit der zugehörigen Romantik und Bornirtheit 
wieder in den Vordergrund gedrängt, und neben dem thatsäch- 
lichen Unheil, welches ihr die Umstände in äussern und innern 
Kriegen anzurichten -^erstatteten, hat sie auch die geistige und 
moralische Atmosphäre zeitweilig so ungesund machen können, 
dass die gelegentlich hervortretende Ansicht, man sei um 
mehrere Jahrhunderte zurückgekommen, nicht befremden darf. 
Dieser reactionäre Charakter, den die Oberfläche des 
19. Jahrhunderts trägt, darf jedoch nicht über die bessere 
Unterströmung täuschen, die in den auf ernsthafte Umgestal 
tung gerichteten Ansätzen und in einer die letzten Schichten 
vertretenden Minderheit von entschlossenen Charakteren gele 
gentlich auch einen oben sichtbaren Ausdruck gefunden hat. 
Angesichts dieser Unterströmung, welche im Bereich der mit 
dem Arheitssold Abgelohnten aller Gattungen ihre Tiiebkräfte 
hat, steht die Geschichte vor der Frage, ob die heutigen Cultur- 
völker an ihrer socialen Verfassung immer mehr erkranken 
und schliesslich im Sinne des Römischen Kaiserreichs verwe 
sen sollen, oder ob sie die Aussicht haben, ohne einen solchen 
Vorwesungshcrgang in einer unmittelbareren Weise zu den 
neuen, von der philosophischen, politischen und socialistischen 
Aufklärung geforderten Zuständen zu gelangen. An der Ein 
sicht und an frischen geistigen Triebkräften fehlt es der kei 
menden neuen Welt durchaus nicht, und grade in der Existenz 
von Ideen, die in allen bisher wirksamen Motiven der Ge 
schichte noch nicht entwickelt waren, besteht die neue Situa 
tion. Nicht irgend eine materielle oder technische Entwick 
lung an sich selbst, sondern das bestimmtere Wissen und 
Wollen des Menschenrechts ist der entscheidende Ausgangs-
	        
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