Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

551

werden.  Uns  kann  hier  auch  ihre  Thorheit  und  Superstition
genügen;  denn  nur  durch  diese  Mächte  wird  die  Verschleierung
der  sonst  haltungslosen  Beziehungen  des  Gemeinlebens  möglich.
Wenn  nun  die  Gefühls-  und  Gedankenverworrenheit  in  solchen
kleinen  selbständigen  Secten,  die  übrigens  nichts  mit  dem
Eigennutz  der  grossen  wohldotirtcn  Kirchen  zu  schaffen  haben,
unter  besseren  menschlichen  Bedingungen  nichts  Befriedigendes
zu  leisten  vermag,  wie  sollte  die  Religion  in  ihrer  vollständigen
Corruption  und  in  der  Untermischung  mit  der  gemeinsten
Politik  etwas  social  Förderndes  bieten  können?  Eine  derartige
Illusion  muss  schwinden,  indem  das  Wesen  oder  vielmehr
Nichtwesen  der  Religion  immer  mehr  biosgelegt  und  dem  Volksverständniss
  nähergebracht  wird.
Mit  diesem  letzteren  Verständniss  müssen  denn  auch  die
älteren  liberalistischen  oder  radicalen  Programme  religionspolitischer ­
  Art  als  unzureichend  in  den  Hintergrund  treten.
Es  ist  nicht  genug,  die  Kirche  vom  Staat  und  von  der  Schule  getrennt ­
  wissen  zu  wollen;  man  muss  überhaupt  die  Abschaffung
aller  ihrer  politischen  Privilegien,  namentlich  die  Beseitigung
der  begünstigten  Corporationsform  und  die  Gleichstellung  kirchlicher ­
  Vereine  mit  allen  andern  politischen  oder  socialen  Vereinen ­
  zum  nächsten  Princip  machen.  Solche  Vorstellungen
von  den  Nothwendigkeiten  des  religionspolitischen  Verhaltens
können  nun  nicht  in  die  Ueberzeugungen  eindringen,  ohne  zugleich ­
  alle  früheren  Stellungnahmen  zu  verdrängen  und  die
gesellschaftlichen  Elemente,  die  sich  der  modernen  Weltanschauung ­
  und  dem  Socialismus  zugewendet  haben,  ernsthaft  zu
nöthigen,  sich  auch  praktisch  mit  bestimmteren  Ideen  über
einen"’Schluss  der  Aera  der  Religionen  und  über  den  dahin
führenden  Stufengang  vertraut  zu  machen.  Hiemit  sinken  aber
die  Mannichfaltigkeiten  der  alten  Parteiungen  zu  untergeordneten ­
  Spielarten  eines  grossen  Gegensatzes  herab,  der  alle
Interessenten  der  Superstition  auf  der  einen,  die  Vertreter  der
Denkfreiheit  und  ihrer  praktischen  Gonsequenzen  aber  auf  der
andern  Seite  versammelt.  Der  echte  Socialismus  ist  in  ^m
Rahmen  dessen,  was  bisher  Religion  geheissen  hat,  eine  Unmöglichkeit, ­
  und  hieraus  erklären  sich  die  entschiedenen  Positionen ­
  der  Socialistik,  die  immer  bewusster  von  dem  theoretischen ­
  sogenannten  Materialismus  und  dessen  praktisch  idealer
Richtung  ausgeht.  Ebenso  erklären  sich  aber  hieraus  auch  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.