Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

hing über das Getraido (Traité dos gmins) für nnsern Zweck 
insofern ausKuzeichnen, als vorzugsweise in ihr das Hauptniotn 
der wirthschaftlich erheblichen Ideen hervortritt. Ausser dem 
vorher erwähnten Détail de la France ist etwa 10 Jahre später 
(jedenfalls vor 1706) noch ein anderes Zustandsbild als ,,Factum 
de la France" erschienen, welches die Veranlassung wurde, dass 
der Verfasser harten Verfolgungen anheimfiel. Die Schreibart 
ist überall von Pedanterie frei; nur wird die sonst recht ge 
fällige und noch heute einen gewissen Beiz bietende Lecture 
dadurch mehrfach unmodern, dass biblische Anfänge nicht selten 
die allgemeinen Erörterungen einleiten und dass auch die 
moralischen Gedanken sich nicht vollständig von diesem Hinter 
grund getrennt finden. Vom Standpunkt einer höheien Bil 
dung, wie sie schon in der Cartesischen Philosophie nahelag, 
hätte sich auch über Finanzen und wirthschaftliche Ideen mit 
weniger mittelalterlichen Anklängen schreiben lassen. Indessen 
hatten ja in England ein Petty und ein Locke etwas Achnliches 
gethan, und der letztere hatte sich in seiner Staatstheorie auf 
Adam und alles Mögliche dieser Art eingelassen, wie es hei 
seinen .Gegnern Sitte war. Die Zeit hatte also einen grossen 
Antheil an dieser, unserm Geschmack widersprechenden Manier, 
und sie hat dafür gesorgt, dass die wissenschaftliche Ileinheit 
und Classicität ausser im Gebiet der am meisten fortgeschrit 
tenen Darstellungsformcn der höheren Naturwissenschaft eine 
Unmöglichkeit blieb. Diese Bemerkung war nöthig, um den 
übermässigen Lobpreisungen entgegenzutreten, welche in Bois 
guilleberts Arbeiten für den Inhalt wie für die Foim einen 
Grad von Wissenschaftlichkeit in Anspruch nehmen, der weder 
in dem thatsächlichen Wissen noch in der bewussten logischen 
Verknüpfung der Gedanken vorhanden gewesen ist. 
12. Nach dieser Kennzeichnung werden wir die Haltung, 
in welcher die einzelnen Ideen mehr oder minder fest auftreten, 
zu heurtheilen vermögen. Der erste Ausgangspunkt, aus wel 
chem man zu allem Uebrigen gelangt, ist, wie schon erwähnt, 
die Einsicht, dass die zu niedrigen Getraidepreise den Rum 
des Ackerbaus mit sich bringen, und dass ein gewisser Höhe 
stand derselben nicht blos im Interesse der Landwirthe und 
Landarbeiter, sondern auch in demjenigen der übrigen Beiufs- 
zweige liege. Die übermässige Theuerung und der Mangel 
tödten, meint unser Autor, durch Inanition, d. h. auf dem Wege
	        
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