N Die Profittheorie
Operationen (der Produktion von Produktionsmitteln und .über-
haupt aller Zwischenprodukte) erhält man die Verbrauchspro-
dukte nicht sofort, sondern nach relativ längerer Zeit: „Der Nach-
teil, der mit der kapitalistischen Produktionsmethode verbunden
ist, liegt in einem Opfer an Zeit. Die kapitalistischen Um-
wege sind ergiebig, aber zeitraubend, sie liefern mehr oder
bessere Genußgüter, aber sie liefern sie erst in einem späteren
Zeitpunkt.‘ Dieser Satz gehört „...zu den Grundpfeilern
der gesamten Lehre vom Kapital“. Aus dieser fa -
talen Zeitdifferenz“ ergibt sich die Notwendigkeit des
Wartens: „In der überwältigenden Mehrzahl der
Fälle müssen wir die Produktionsumwege unter solchen tech-
nischen Bedingungen beschreiten, daß wir eine Zeitlang und oft
sehr lange Zeit auf die Erlangung der genußreifen Schlußpro-
dukte warten müssen?*,‘“ Diese Besonderheit der „kapitalisti-
schen Produktionsweise‘‘ — meint Böhm-Bawerk — bildet die
Grundlage für die wirtschaftliche Abhängigkeit der Arbeiter von
den Unternehmern: Die Arbeiter können nicht bei den langen
„Umwegen‘“ warten, bis die Verbrauchsprodukte geliefert wer-
den*®; umgekehrt können die Kapitalisten nicht nur warten, son-
dern unter gewissen Verhältnissen — direkt oder indirekt —
sogar den Arbeitern die Gebrauchsprodukte gegen die sich in
ihrem Besitz befindliche Ware — Arbeit — vorschießen. Der
gesamte Prozeß vollzieht sich wie folgt: Die Unternehmer er-
werben die Güter der „entfernteren Ordnung‘ (Rohstoffe, Ma-
schinen, Nutznießung von Grund und Boden und vor allem die
Arbeit) und verwandeln sie durch den Produktionsprozeß in
die Güter der ersten Ordnung, d. h. in die zum Konsum fertigen
Güter (genußreife Güter). Dabei bleibt den Kapitalisten, nach
Abzug der Entlohnung ihrer eigenen Arbeit usw. noch ein ge-
wisser Ueberschuß an Wert übrig, dessen Größe für gewöhnlich
der Summe des in das Unternehmen hineingesteckten Kapitals
entspricht. Dies ist eben der „ursprüngliche Kapitalzins‘® oder der
Profit‘“?, Wie erklärt sich nun die Entstehung des Profits? Auf
diese Frage antwortet Böhm-Bawerk: „Ich muß die Erklärung
mit der Feststellung einer wichtigen Tatsache einleiten. Die Güter
23 Böhm-Bawerk: „Positive Theorie‘, S. 149. (Sperrdruck vom Verfasser.)
2 1b. S: 149.
25 Nur weil die Arbeiter nicht warten können, bis der von ihnen mit
Rohstoffgewinnung und Werkzeugbau begonnene Umweg seine reife Genuß-
frucht liefert, kommen sie in wirtschaftliche Abhängigkeit von denjenigen, die
die genannten Zwischenprodukte schon im fertigen Zustand besitzen, von den
„Kapitalisten“ (Ib. S. 150).
26 Vgl. „Positive Theorie‘, S. 502.
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