Full text : Die sociale Lage der Handlungsgehülfen und ihre Verbesserung durch die kaufmännischen Vereine

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Es  muß  einleuchten,  daß  -ei  einer  einheitlichen  Organisation  oder
vielmehr  einer  Centralisation  dieser  Vereine  mehr  geleistet  werden  kann,  als
die  einzelnen  Vereine  bislang  zu  leisten  imstande  waren.  Ja  es  wird
nicht  zu  gewagt  erscheinen,  wenn  man  behauptet,  daß  die  Gesamtzahl  der
kaufmännischen  Vereine,  welche  den  vierten  Teil  sämtlicher  Handlungsgehülsen
umfassen,  bei  einer  richtigen  Organisation  die  Macht  besitzen,  das  gesamte
Gebiet  der  socialen  Frag  e  im  Kaufmannsstande  zu  beherrschen.
Hierzu  muß  aber  zunächst  der  rein  lokalen  und  gesellschaftlichen
Interessen  zugewendete  Charakter  der  kaufmännischen  Vereine  und  der
Jndifserentismus  eines  Teiles  derselben  gegen  wirtschaftliche  Fragen  gebrochen
werden.  Ans  der  anderen  Seite  müssen  sich  die  großen  Vereine  bescheiden,
intensiver  in  einem  geographisch  abgegrenzten  Gebiete  ihre  Thätigkeit  zu
entfalten,  als  sich  in  der  Gründung  von  Kreisvereinen  gegenseitig  Konkurrenz
zu  machen.
Soll  wirklich  eine  gesellschaftliche  Hebung  des  Standes  der  Handlungsgehülfen ­
  erfolgen,  s  o  muß  eine  w  i  r  t  s  ch  a  f  t  l  i  eh  e  Interessenvertretung ­
  die  Basis  derselben  bilden;  dies  ist  der  Kernpunkt  der
Aufgabe,  welche  den  kaufmännischen  Vereinen  zufällt.
Die  Forderungen,  welche  für  die  Hebung  des  Kanfmannsstandes  an
die  kaufmännischen  Vereine  511  stellen  sind,  erstrecken  sich  daher  auf  drei
Punkte:
1.  auf  eine  einheitliche  Organisation,
2.  aus  eine  wirksame  Interessenvertretung,
3.  ans  eine  fortlaufende  Untersuchung  der  wirtschaftlichen  und
socialen  Lage  der  Handlungsgehülsen.
Die  einzelnen  Aufgaben,  welche  in  ihrer  Gesamtheit  die  „sociale
Frage"  im  Kaufmannsstande  bilden,  sind  in  den  vorhergehenden  Abschnitten
in  Umrissen  dargestellt  worden,  es  handelt  sich  hier  um  die  Durchführung
dieser  Aufgaben  durch  eine  Organisation  der  kaufmännischen  Vereine.  Diese
Organisation  kann  vielleicht  in  folgender  Weise  gedacht  werden.
Die  einzelnen  Lokalvereine  behalten  ihre  volle  Selbständigkeit  in
Bezug  ans  ihre  örtliche  Verwaltung.  Für  eine  bestimmte  Zeitperiode  bildet
innerhalb  einer  Provinz  resp.  eines  Bundesstaates  ein
Verein  den  Vorort  für  die  Vertretung  gemeinsamer  Provinzialange-Die

  Gesammtzahl  der  Mitglieder  kaufmännischer  Vereine  und  Verbände  in
Deutschland  betrug  also  im  Jahre  1890  schon  weit  ü  ber  100  000.  Nichtsdestoweniger
ist  es  u.  E.  gewagt,  daraus  den  Schluß  zu  ziehen,  das;  der  vierte  Teil  der
deutschen  Handlungsgehülsen  in  Vereinen  organisirt  sei.  Ein  Bruchteil  der  Vereins-Mitglieder
  besteht  nämlich  regelmäßig  aus  Prinzipale  n.

beim

1.  Verein  für  Handlungscommis  von  1858,  Hamburg
2.  Verband  deutscher  Handlungsgehülsen,  Leipzig  .  .
3.  Kaufmännischer  Verein,  Frankfurt  a.  M
4.  Kaufmännischer  Verein  Merkur,  Nürnberg  .  .  .
5.  Verein  junger  Kaufleute,  Berlin
6.  Kaufmännischer  Verein,  Mannheim
7.  Kaufmännischer  Verein,  München
            
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