Full text: Die sociale Lage der Handlungsgehülfen und ihre Verbesserung durch die kaufmännischen Vereine

Erst er Abschnitt. 
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen der ver 
besserungsbedürftigen Fage der Handlungsgehülfen. 
Diese Ursachen sind teils allgemeiner Natur und machen sich nicht 
blos; für das kaufmännische Gewerbe, sondern für die gesamte moderne 
Gewerbethätigkeit, innerhalb dessen die kaufmännische ja nur ein organisches 
Glied ist. geltend; teils werden sie allein bei der Entwicklung des kauf 
männischen Gewerbes bemerkt und sind also spezielle Gründe für die prekäre 
Lage der Handlungsgehülfen. 
Aus dem heutigen Erwerbsleben ist im allgemeinen, sowohl für 
den Unternehmer, als besonders für den unselbstständigen Gehülfen und 
Arbeiter, jene relative Sicherheit und Ruhe geschwunden, welche das 
Erwerbsleben unserer Großväter auszeichneten. Daran sind aber nicht 
die Menschen schuld, sondern in der Hauptsache die Fortschritte der 
modernen Technik auf allen Gebieten, aus dem der Produktion, des 
Handels, des Verkehrs und des Kredits. Nur wer in jeder einzelnen 
Branche, sei er Fabrikant, Kaufmann, Verkehrsunternehmer oder Bankier, 
mit den besten technischen Mitteln und Verbindungen ausgerüstet ist, 
kann sich durch die besten und billigsten Leistungen in der Konkurrenz 
aufrecht erhalten und etwas verdienen. Dann aber strömt ihm der 
Verdienst auch meist in einer Fülle zu, die man früher nicht gekannt 
hat, eine Fülle, welche den fortgeschrittenen Geschäftsmann in den 
Stand setzt, immer überlegener gegen seine schwächeren Konkurrenten aus- 
zutreten, so daß schließlich wenige Starke, wie im Darwinschen Kampfe 
ums Dasein, das Feld allein beherrschen. Daß zu diesem Beherrschen 
großes Kapital gehört, ergiebt sich schon daraus, daß die Ausrüstung mit 
allen modernen Behelfen der Technik und die Benutzung der besten und 
raschesten Verbindungen große Auslagen erfordern. Daher unter den 
Arbeitgebern selbst ein heftiger Kamps der Reichsten gegen die weniger 
Bemittelten, wobei die letzteren meist geschlagen das Feld räumen müssen, 
und daher die annähernde Unmöglichkeit für den Unbemittelten, sich nicht 
bloß für kurze Zeit, sondern dauernd und mit bleibendem Erfolg selbst 
ständig zu machen, außer durch besondere Glückssälle (Losgewinne, Ein 
heiraten, wichtige Erfindungen und Ähnl.), die natürlich als Ausnahmen 
die Regel nur bestätigen. ' Daraus, daß die Selbständigkeit ans jedem 
gewerblichen Gebiete ein immer schwerer zu erreichendes Ziel für die Uu- 
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