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aud) in früheren Yahren im allgemeinen die UWfraine kaum Getreide
abgegeben, dahin firömten das fibirijde und das Korn der Schwarz
;rdegebiete an der Wolga. Mehr als die Hälfte der Weizenernte
des zarijhen Mußlands, gegen 170 Millionen Zentner, wurde in der
UNfraine gewonnen, ebenfo mit über 70 Millionen Zeniner mehr als
die Hälfte der gefamten Gerjtenproduktion des ehemaligen rujjijhen
Gejamtftaates. Davon exportierte vor dem Kriege die Ufraine 56,4
Millionen Zentner Weizen, 38,5 Millionen Zentner Gerfte, dazu noch
über 9 Millionen Zentner Roggen und 21/2 Millionen Zentner Hafer.
Dabei muß in Betracht gezogen werden, daß infolge der extenfiven
Wirtihaft der häuerliden Bevölferung troß der Herrliden Schwarz-
erde, die einen Frudtboden darjtellt, wie ihn Deutjdhland nicht auf-
weijt, der gefamte Erntedurchjhnitt weit hinter dem deutjden zurüd-
teht, da die deutfhe DurdHfjdhnittsernte troß viel [Hwäcdheren Bodens
pro ha die ukrainijdHe um etwa 60% übertrifft. Welde Steigerungen
allo möglid find, lehrt diejer VBergleih. Noch größer ijt der Unter»
(died in den Erträgen der Zuderrüben, die eine große Fläde in
der Ukraine einnehmen, wobei im weftliden Gebiete, hHauptjächlidh in
Kiew, Podolien und Wolhynien, über 3/, der gejamten mit Zuder-
üben beltellten Fläche zu finden find. 1914 wurden in der ganzen
Ufraine 623000 Dekjatinen angebaut. In den legten 20 Jahren gelang
zs au dur inten]ive wiffenfdhaftlidHe Saatzüchtung der Zuderfabriken
den Zudergehalt der Rüben fajt um 50% zu Heigern, troßdem ift in den
leßten 5 Jahren vor dem Kriege in Deutjdhland im DurdHidHnitt vom
ha fait das Doppelte an Zuder geerntet worden wie in der Ukraine,
Dennod) hat diefelbe nidHt nur ihrer Bevölkerung, Jondern au) der
des gefamten übrigen ruljilden Zarenreides annähernd 18 Pfund
rulfild pro Kopf der Bevölkerung Zuder geliefert und damit den
gejamten Zuderbedarf des rujlijhen Weltreidhes von Libau bis Wladi-
woltok gededt, außerdem aber nody über 31 Millionen Pud ins Aus-
land exportiert, bejonders nad) Alien und in jteigendem Make nach
England. 53% der Anbaufläce beftellten Zuderfabrifen fjelbjt mit
Zuderrüben. Die Fabriken gehören meijt AktiengejelljHaften, in deren
Beliß fi zugleid Latifundien befinden, auf denen intenjiver Rübenbau
betrieben wird. 300% der Anbaufläde der Rüben wird von fonjtigen
Srokgrundbhefigern beftellt, und nur 17% derfelben befinden [id in
bäuerliden WirtHaften. Seitdem die häuerlidgen Genofjenjhaften die
Vermittlung zwilden den Bauern und den Zuderfahrifen für die Lie-
ferung von Rüben zu übernehmen begonnen haben, beginnt die bäuer-
lie Unbaufläde fid zu vergrößern.
Über 200 Zuderfabrifen beftehen in der Ukraine, deren Produktion
im Sahre 1914/15 90 Milnionen Pud Rohzuder überftieg. Kiew if
der SikH des Zuderhandels, mehr als 150 Direktionen von HZuder-