86 Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre.
bauung von Häusern auf sich nahmen, aber ihre schwachen
Bemühungen haben nicht hindern können, daß dieses öffent
liche Bedürfnis unbefriedigt blieb. Wieviel weniger noch im
Augenblick! (Siehe oben S. 67).
Wieviel andere Beispiele könnte man beibringen! In
einer kürzlich erschienenen Zeitung berichtete man, daß auf der
Corniche, das ganze Mittelmeer entlang, man alle Olbäume
ausgerissen hatte, um sie durch Mimosen-, Rosen- oder Nelken
pflanzungen zu ersetzen, weil die Blumen größeren Nutzen
als das Ol abwarfen. Man bedauert das heute übrigens,
weil seit dem Kriege und bei der allgemeinen Hungersnot
das Ol mehr im Preise gestiegen ist als die Blumen; aber es
ist zu spät: der Olbaum wächst nicht so schnell wie ein Rosen
strauch.
Soll man von so vielen schädlichen Jndustrieen sprechen,
die nur durch den Wunsch nach Gewinn erhalten werden,
ohne daß man sich im geringsten um die wirklichen Bedürf
nisse des Publikums kümmert, wie z. B. die Alkohol-Erzeugung
oder die Schmutzliteratur? Die Bolkswirtschaftler werden
ebenso wie die Unternehmer dieser traurigen Gewerbe sagen,
es sei nicht ihre Schuld, sie seien keine Morallehrer, und man
müsse sich an das Publikum halten, das ihre Erzeugnisse ver
lange. Gewiß, man kann nicht leugnen, daß der Verbraucher
einen Teil der Verantwortung trägt, und wir wollen ja gerade
den Verbraucher erziehn; doch muß man zugeben, daß die
Erzeuger, angestachelt durch den Reiz des Gewinns, dem
Verbraucher gegenüber die Rolle des Versuchers gespielt haben,
die Rolle des Satan. Sie haben der Eva und auch dem Adam
den Apfel gereicht. Was hat jenes wunderbare Lügenunter
nehmen geschaffen, das in Gestalt von Reklame, öffentlicher
Ankündigung und Anschlagszetteln unter Aufwand von
Milliarden, (man spricht von einer Milliarde Dollar jährlich in
den Vereinigten Staaten) kein anderes Ziel verfolgt, als dem
Verbraucher künstliche Bedürfnisse einzureden? Es ist die Sucht
nach Gewinn. Der nationale und internationale Markt ist
überschwemmt mit Erzeugnissen, die nicht nur unnütz, sondern
sogar schädlich sind und die die Industrie zum Schaden der Be
friedigung wesentlicher Bedürfnisse der Menschen ange
sammelt hat.
Und selbst wenn die Unternehmer für unsere normalen
Bedürfnisse sorgen, wird auch da noch ihr Werk unaufhörlich
durch die Gier nach Gewinn verderbt. Um schneller zu ver
dienen, hat jeder Kaufmann nur folgende Auswahl: entweder