Drittes Kapitel.
Geistesleben im späleren
Mittelalter.
Für die allgemeine Haltung des Geisteslebens einer be—
stimmten Zeit wird immer die Art, in der die Fragen der
Erziehung und des Unterrichts gelöst werden, als Ausdruck
des gleichzeitig oder früher Erreichten bezeichnend sein!.
Im späteren Mittelalter fällt hier vor allem eine bisher
umbekannte Scheidung des Bildungsganges für die verschiedenen
Berufskreise der Nation auf. Bisher war der Unterricht im
wesentlichen noch überall der gleiche, nationale gewesen: Übung
in der Führung der Waffen, Fortpflanzung der Geheimnisse natio⸗
naler Überlieferung in Sage und Märchen, in Spruchweisheit
und Scherz hatte alle Deutschen, den Bauer wie den Ritter,
noch miteinander verbunden. Jetzt trat der Bürgerstand da⸗
— ziemlich breiten Schichten der
Elemente der fremden, lateinischen Überlieferung. Während auf
den Dörfern die alte Bildung auf mündlichem Wege unter stets
größerem, innerem Verfall weiter überliefert ward, entstanden
Dies Kapitel ist schon in der Zeitschrift für Kulturgeschichte,
4. Folge J S. 5249 gedruckt worden. Die dort in Anmerkungen ge⸗
gebenen Belege sind hier größtenteils fortgelassen.