in unseren Verhältnissen nicht zu verkennen. Der Hauptzug
des Lebens ging bei uns nach der wirtschaftlichen Dichtung;
schon das zeigt jedem unbefangenen Beobachter, das? unser Volk
nicht kriegslustig war; wer die wirtschaftlichen Interessen voran
stellt, der kann keine Freude am Kriege mit seinem zerstörenden
Wirken haben. Über Deutschland mustte schon wegen seiner zen
tralen und allen Qngriffen ausgesetzten Lage stark gerüstet sein;
die Trage konnte nur sein, ob die militärische Leistung nicht zu sehr
in das innere Staatsgefüge eingriff, auch mustten unerfreuliche
Vorgänge wie dieinZabern über Deutschland hinaus einen schlechten
Lindruck machen und den Schein einer Militärherrschaft erwecken;
ferner war es eine offene Trage, ob eine so starke Vermehrung
unserer Tlotte zu unserer Selbstverteidigung notwendig war, und
ob sie nicht das Misttrauen Lnglands erregen mustte; aber dies
alles kann nicht die Tatsache verdecken, dast Deutschland und auch
die deutsche Kegierung den Trieden ehrlich wollte und nur not
gedrungen zu den Waffen griff.
Wie aber stand es bei unseren gegnern?
Die Linkreisungspolitik des Königs Ldward wirkte fort,
immer von neuem wurde die volle Übereinstimmung von Frank
reich und Kustland sowie die gegenseitige Hilfsbereitschaft betont;
der Üusbau des russischen Lisenbahnnetzes /fand durchaus unter
strategischen gesichtspunkten, selbst die Üngriffspläne gegen Deutsch
land wurden ungeniert erörtert, auch wurde alles Streben Deutsch
lands, feine Seestellung zu verbessern, mit groster gehässtgkeit
gedeutet. Tür die Tührung des Krieges aber gab es unseren
gegnern ein Übergewicht, dast wir als Volk uns bei aller subjek
tiven Wärme der gesinnung geistig nicht genügend mobilisieren
konnten. Die gegner haben geschickt den demokratischen Treihects-
gedanken zu ihren gunsten aufgerufen; sie hatten daran eine ge
wisse Idee, die freilich recht flach war und kaum leidlich die selb
stischen und materiellen Zwecke verdeckte, aber immerhin hatten
sie einen gewissen Kichtpunkt, der die Kräfte sammelte. Wie anders
hätte sich die Sache gestalten können, wenn wir aus der Tiefe
unseres Wesens den deutschen Begriff der echten Treiheit tatkräftig
hätten entwickeln und ihn in den Kampf führen können! Linzelne
waren in dieser Dichtung bemüht, aber eine gemeinsame Bewegung
zur Lrhöhung war nicht sichtbar, alles Heldentum der Linzelnen
konnte dafür keinen vollen Lrsatz bieten. Durch den ganzen Ver
lauf des Krieges ist das seelische Llemenk bei uns nicht genügend
gewürdigt, die Wirkung auf den Seelenstand zu wenig beachtet
worden. Um so wärmer ist anzuerkennen, was das deutsche Volk
trotz jener Hemmungen geleistet hak; es hat Heldentaten verrichtet,
die ohne ein Seitenstück in der Zeschichte sind.