fullscreen: Der Einfluß des Deutschen Zollvereins 1834 bis 1918 auf die deutsche Eisenwirtschaft

Abgeordneter Stumm vor— 
ausahnend gesprochen hatte, 
mußte die deutsche Eisen— 
industrie um so tiefer nieder— 
ziehen, je mehr ausländisches 
Eisen im Laufe der zollfreien 
Jahre 1877 bis 1879 eindrang. 
Trotz der Verstärkung der 
heimischen Erzeugung durch 
Lothringen in Höhe von 
17 v. H. wurde damals bis 
zu einem Drittel des Gesamt— 
bedarfs von der ausländischen 
Eisenindustrie gedeckt. In der 
Zeit der höchsten Eisennach— 
frage waren 379 Hochöfen im 
Feuer gewesen, von denen 
jedoch bald über 100 aus— 
geblasen worden sind. 
In der Krise wurde das 
Nachlassen der Nachfrage nach 
deutschem Roheisen um so 
fühlbarer, als der Zollfreiheit 
hereits eine Bedarfs— 
wandlung vorangegangen 
war. Die Bedarfswandlung 
bestand darin, daß das in 
Aufnahme gekommene Bes⸗— 
semerstahlverfahren 
phosphorarmes Roheisen be— 
nötigte, das leider aus den 
deutschen Erzen ohne Bei— 
mischung fremder Eisensteine 
nur schwer herzustellen war. 
Daher ist das Bessemer— 
verfahren, für dessen An— 
wendung allmählich über 80 
Konverter aufgestellt waren, 
den deutschen Hüttenleuten 
sehr unbequem gewesen. 
Kaum hatte man sich in 
größerem Maße zur Einfuhr phosphorarmer 
Erze aus Spanien und sonstigen Mittelmeerländern 
entschlossen und sich auf große Erzverträge ein— 
gelassen, da konnte man aus England, das 
Selbstversorger in geeigneten Hämatiterzen war, 
das Bessemerroheisen viel billiger beziehen als 
in Deutschland herstellen. Damals schien es, 
als ob der Ruin der deutschen Roheisenindufstrie 
nicht mehr aufzuhalten sei. 
Die Krise der siebziger FJahre hat sich 
nicht nur auf die Eisen schaffende Industrie, 
sondern auch auf die Gisenverarbeitung 
erstreckt. Wie in der Gegenwart Lokomotiv— 
und Waggonfabrikanten über die Auftrags— 
einschränkung der Eisenbahn zu klagen haben, 
so war es auch damals. Statt 1400 Ma— 
Roheisengewinnung im Deutschen Jollgebiet. 
In 1000t Eogarithmischer Maßstab.) 
20000 j 
5 
29/. 191 
7 
* 
27 * 100 
1834 waren vereinigt: Preußen, beide Hessen, Bayern, Württemberg, 
Sachsen und Thüringen. 
Der Beitritt der übrigen Eisengebiete ist 
schinen bekamen zu jener Zeit die deutschen 
Lokomotivfabriken von den inländischen Eisen- 
bahngesellschaften nur noch 2850 jährlich in Auf— 
trag. Ferner klagten die Gießereien, der Ma— 
schinenbau sowie die Eisen- und Stahlwaren- 
fabrikanten über den zunehmenden englischen 
und amerikanischen Wettbewerb und auch über 
die Wirkung der staatlichen Ausfuhrvergütungen 
Frankreichs. Der Rückschlag war allgemein. 
Die Imwvestierungen im Bergbau, Hüttenwesen 
und in zahlreichen Werkstätten der Eisen— 
perarbeitung wie fast in allen sonstigen In— 
dustriezweigen schienen eine dauernde Über— 
kapazität aufzuweisen. Im Lauf der Jahrzehnte 
bis zum Jahre 1870 waren in der ganzen Wirt— 
schaft 410 Aktiengesellschaften mit einem Kapital
	        
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