Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 471
des rigischen Erzbischofs zu dämpfen und die Stadt Riga nach
dem Vorbild der preußischen Städte dem Gebote des Ordens
zu unterwerfen.
Mit der beginnenden zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts
trat darum der Orden in die Zeit seiner höchsten Blüte, wie
sie durch die Regierung des Hochmeisters Winrich von Knip—
rode (1831 -1382), eines Rheinländers aus der Gegend von
Köln, bezeichnet wird. In stolzer Ruhe lebten die Lande des
Ordens dahin; die Kriegslust der Brüder entlud sich nur
noch in wenig gefährlichen Zügen gegen die Litauer in der
Richtung der beiden großen Straßen nach Kowno und Grodno;
und auch hier wurden mit der Schlacht von Rudau noch ein⸗
mal größere Erfolge erreicht. Sie fällt ins Jahr 1870, in die
gleiche Zeit mit dem hansisch-dänischen Frieden von Stralsund:
beide Ereignisse sind die Landmarken gleichsam höchster deutscher
Machtentfaltung im Nord und Nordosten.
Aber nicht nur erobert waren die preußischen Lande; sie
begannen deutsch zu werden. Weit über die bisherigen Grenzen
drang jetzt im Süden und Osten der deutsche Bauer in die
Wildnis des Urwalds; in geurbarten Gegenden erhoben sich
neue Ordensburgen, bald nicht mehr aus Lehm und Letten,
aus Baumstümpfen und Flechtwerk, sondern aus Steinen ge⸗—
baut, alle überragend das Marienburger Hochschloß. Und über
dreißig Städte wurden allein im Hauptlande östlich der Weichsel
von neuem gegründet?; und hochhallige Backsteinkirchen be—
zeichneten bald ihre weithin sichtbare Silhouette. Im Hoch—
schloß aber blühte, ein Vorbild dem Bürgertum, auch die
geistige Bildung empor; der Ordenspriester Nikolaus von Je—
roschin übertrug die Chronik seines Ordensbruders Peter von
Dusburg in deutsche Reimzeilen, und ein Hochmeister selbst,
Luther von Braunschweig, versuchte sich in der zarten Dichtung
der Legende. Stark sproßten so überall die national-deutschen
1 Lohmeyer, Gesch. v. Ost- u. Westpreußen 1, 216. Bis zum Jahre
1410 war die Gesamtzahl der deutschen Städte auf 93, der Dörfer auf
1400 gewachsen; Sattler in Hist. Zeitschr. N. F. 13, 239.