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Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
von den Anhängern des Gegenpapstes gehalten. Nach der
Krönung aber trat Lothar alsbald mit dem Anspruch hervor,
ihm das alte Investiturrecht der deutschen Könige wiederum zu
verleihen; wie in Lüttich so benutzte er jetzt seine stützende
Stellung gegenüber dem Papste zu kirchenpolitischen Forderungen.
Aber Norbert erklärte sich dagegen; der Papst jedoch konnte
nicht umhin, Lothar wenigstens die dem Wormser Konkordat
entsprechende Praxis, vielleicht unter einem kleinen weiter—
gehenden Zugeständnis, im ganzen zu bestätigen. Und über
diese Bestätigung hinaus wußte Lothar trotz seiner geringen
Macht auch die weltliche Stellung der deutschen Könige in
Italien wenigstens einigermaßen festzuhalten, indem er sich das
Mathildische Land vom Papste gegen einen Jahreszins von
100 Pfund Silber übertragen ließ mittelst einer Ringinvestitur.
Rechtlich wurde er damit nicht der Lehnsmann des Papstes.
Aber der Papst nahm gleichwohl ein Lehnsverhältnis an, wie
die Unterschrift unter einem Bilde im Lateran zeigte, das die
Belehnungsscene darstellte und auf seinen Befehl gemalt ward.
Und was hatte der Kaiser doch andrerseits aufgegeben!
Die Erbansprüche, die Heinrich V. auf die Mathildische Herr—
schaft geltend gemacht hatte, waren durch dessen Leihnahme von
seiten Lothars einfach beseitigt, und in der Beleihung war ein
Verhältnis geschaffen, das später zu den größten Irrungen ge—
führt hat. Vor allem aber hatte Lothar für seine Kaiserkrönung
die in feierlicher Urkunde niedergelegte Anschauung zugelassen,
daß Innocenz II. ihm die kaiserliche Vollgewalt aus der Fülle
seiner päpstlichen Macht verliehen habe. Es war der Vor—
stellungskreis, in dem Gregor VII. sich bewegt hatte; kein Kaiser
hatte ihn bisher anerkannt. Jetzt ward er durchgesetzt gegen—
über einem frommen Herrscher, der gerade in diesem Punkte
an den Unklarheiten der kirchenpolitischen Auffassung seiner
religiösen Freunde, eines Norbert, eines Konrad und Bernhard
krankte. Und diese Vertreter der neuen Frömmigkeit trafen bei
aller Weltflucht doch schließlich in dem wie immer auch zu ver—
wirklichenden Gedanken der Überordnung aller geistlichen Gewalt
über die weltliche mit den gregorianisch Gesinnten zusammen.