Full text: Rapport sur l'organisation de l'enseignement industriel en Allemagne et en Suisse

der kleine Einzelhändler gefühlsmäßig einkaufen und den Bedarf 
auf Grund seiner Erfahrungen einschätzen; er mußte genaue 
Unterlagen haben. Aus diesem Grunde errechnete er sich an 
Hand seiner langjährigen Erfahrungen den genauen Ein- 
kaufsßedarf für jede einzelne Warengattung, Jede einzelne 
Warenabteilung wurde nicht erst für die Einkäufe in dem Augen- 
blick intern belastet, wenn die Ware einging oder gar erst, 
wenn sie bezahlt werden mußte, sondern in dem Moment, wenn 
die Bestellung an den Fabrikanten hinausging, Um nun das 
Kapital, das für irgendeinen Betrieb oder für irgendeine Ab- 
teilung zur Verfügung stand, nicht einseitig zu vertun, mußte 
sich jeder moderne Einzelhandelsbetrieb einen ganz detaillierten 
Voranschlag ausarbeiten, aus dem hervorging, welche Waren- 
einkäufe er sich bei einem unter ungünstigsten Verhältnissen zu 
erwartenden Mindestumsatz leisten konnte. Stiegen dann die 
Umsätze im Laufe des Jahres, so war es ein leichtes, dem ver- 
mehrten Warenbedarf durch nachträgliche Wareneinkäufe nach- 
zukommen. Jedenfalls war der Einzelhandelsbetrieb, der sich 
an seinen Voranschlag hielt, vor Ueberraschungen aller Art ge- 
sichert. Es ist typisch, daß heutzutage die Einzelhandelsbetriebe, 
die man als kapitalistisch bezeichnet, meistens mit einem im 
Verhältnis zum Warenumschlag geringeren Warenlager (also 
Kapital) auskommen als die kleinen und kleinsten Einzel- 
handelsbetriebe, Auch diese müssen, wenn sie mit den Groß- 
betrieben konkurrieren wollen, lernen, mit ihrem Kapital 
hauszuhalten, ihr Warenlager klein zu halten und die 
Auswahl auf die in Betrieben ihrer Art gängigsten Artikel zu 
beschränken. 
Neben der Rationalisierung im Einkauf durch Konzentrierung 
des Bedarfs und durch dessen genaue Etatisierung schreitet die 
Rationalisierung des Verkaufs einher durch genaue Beob- 
achtung der Verkaufsunkosten vermittels der Statistik. Ein 
modern aufgebauter Einzelhandelsbetrieb ist heute undenkbar, 
ohne daß man die Unkosten allmonatlich genau in ihre 
einzelnen Sparten zerlegt. Ein Studium dieser stark detaillierten 
Unkostenstatistik liefert die besten und deutlichsten Hinweise 
dafür, wo gespart werden muß, Und dieses Studium ist um so 
erfolgreicher, je mehr Betriebe es umfaßt. Großeinzelhandels- 
unternehmungen mit vielen Filialen haben in dieser Beziehung 
einen großen Vorsprung, Aus diesem Grunde ist es dringend im 
Interesse der Gesundung der deutschen Wirtschaft zu fordern, 
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